Ofen (auch Steinofen oder Felsofen) ist ein Flurname, der auffallend geformte Felsen in den Alpen bezeichnet. Die Bezeichnung kommt im Süden des deutschen Sprachraums für sich allein oder in Zusammensetzung mit anderen Namen von Örtlichkeiten vor (Toponym).

miniatur|Gipfel: Der Berg Ofen in der Schweiz miniatur|Felsen: Öfen auf der Handalm an der Weinebene miniatur|Felswände: Der Wasserofen, ein Kar am Schneeberg miniatur|Schluchten: Die Lammeröfen bilden eine Klamm an der Lammer

Wort und Wortdeutungen Das Wort Ofen als Begriff für Felsformen ist in der Literatur unterschiedlich erläutert, Hinweise auf eine Herkunft aus dem Keltischen, dem Slawischen oder dem Gemeingermanischen sind publiziert.

Nach dem Deutschen Wörterbuch (DWB) mit Stand 1889 ist Ofen (unabhängig von seiner Bedeutung im Einzelfall) „gemeingermanisch“, seine Wurzeln reichen bis in das Sanskrit. Diese Herkunft wird mit Belegen bis ins Indogermanische oder Altindische auch 2007 vom Herkunftswörterbuch des Duden (Etymologieduden) vertreten.Duden. Band 7: Das Herkunftswörterbuch. Etymologie der deutschen Sprache. 4. Auflage. Bibliographisches Institut & F.A.Brockhaus, Mannheim 2007, ISBN 978-3-411-04074-2, S. 568. Im Kluge wird (ebenfalls ohne Bezug auf die hier behandelte Bedeutung) vermutet, dass es sich bei Ofen um ein Lehnwort aus einer unbekannten Sprache handelt.Elmar Seebold: Kluge. Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 24. Auflage. De Gruyter, Berlin 2002, ISBN 3-11-017473-1, S. 663. In einer anderen QuelleInge Resch-Rauter: Unser keltisches Erbe. Flurnamen, Sagen, Märchen und Brauchtum als Brücken in die Vergangenheit. Téletool Edition. Wien 1992. ISBN 3-9500167-0-8, S. 85–86 und 478.. (4. Auflage Wien 2007, ISBN 978-3-9500167-0-3). wird das Wort (in seiner hier vorliegenden BedeutungKonopasek, Spitzelofen. S. 48, verweist auf Resch-Rauter: keltisches Erbe.) auf das Keltische zurückgeführt: Ofen wird von keltisch offerende, opfern, abgeleitet, das mit Wörtern in mehreren keltischen Sprachen wie Kornisch, Altirisch, Kymrisch oder Bretonisch verwandt ist und auch in das Lateinische übernommen wurde (offerre).

Das Wort hat nach dem DWB in der bairisch-österreichischen Gebirgsmundart neben den allgemeinen Bedeutungen für Feuerstelle, Backofen, Ofenbau, Herd etc. die übertragene Bedeutung Felsenhöhle, durchklüftetes Felsstück. Die Mehrzahl die Öfen steht für „wild durcheinander liegende Felstrümmer (Blockhalde)“.Ofen, Punkt 6. In: Jakob und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Band 13: N–Quurren. Leipzig 1889, Sp. 1158 Zeile 21. Nachdruck Deutscher Taschenbuch Verlag. München 1991, ISBN 3-423-05945-1. Gliederung zitiert nach: Der digitale Grimm - Elektronische Ausgabe der Erstbearbeitung. Version 12/04. Zweitausendeins, Frankfurt am Main, ISBN 3-86150-628-9. Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier in Verbindung mit der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.

Im Mittelhochdeutschen Taschenwörterbuch von Matthias Lexer wird oven mit der Bedeutung „Felsenhöhle, Fels“ erwähnt.Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Taschenwörterbuch. 3. Auflage. Leipzig 1885, Verlag S. Hirzel, S. 184. Unter Berufung auf ältere Literatur wird das Wort von diesem Autor mit „gotisch auhns und griechisch ἰπνός, das mit Sanskrit açna, neuhochdeutsch Stein verbunden“ erläutert.Matthias Lexer: Mittelhochdeutsches Handwörterbuch. Leipzig 1872–1878. Verlag S. Hirzel. Band 2. Spalte 194.

Das Österreichische Wörterbuch umschreibt den Begriff mit „zerklüfteter Fels, Höhle“‘, „in Eigennamen zB Salzachöfen“.Österreichisches Wörterbuch. Herausgegeben im Auftrag des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur. 41. Auflage. Österreichischer Bundesverlag Wien 2006, 2009, ISBN 978-3-209-06309-0, S. 470.

Im Steirischen Wortschatz wird das Wort Ofen beschrieben mit „Glattwand im Hochgebirge, Felswand“ Nische in Felswänden, „in der bei schlechtem Wetter Gämsen Unterstand suchen“‘ oder „vereinzelt stehender großer Felsen im Hochgebirge“.Theodor Unger, Ferdinand Khull: Steirischer Wortschatz als Ergänzung zu Schmellers Bayerischem Wörterbuch. gesammelt von Theodor Unger, für den Druck bearbeitet und herausgegeben von Ferdinand Khull. Leuschner und Lubensky's Universitäts-Buchhandlung. Graz 1903, S. 482 (Viewer, literature.at).

Das Weststeirische Wörterbuch erwähnt „Ofen als ungefügter Felsbrocken mitten in Wiesen, auf der Alm, im Wald“ (etwa: Felsturm, Felssporn). Es nennt eine häufige Verbindung mit SagenFür den Frauenofen bei Freiland und dessen „Hexensitze“: Koralmöfen. In: Franz Brauner: Was die Heimat erzählt. Die Weststeiermark. Das Kainach-, Sulm- und Laßnitztal. Steirische Heimathefte. Heft 12. Leykam Graz 1953, S. 105–106.Für den Frauenofen in Gutaring, dessen Sage als „ein Rest bajuvarischen Heidenthumes“ bezeichnet wird: Matthäus Größer: Die kirchlichen Kunstdenkmale in Gutaring. In: Joseph Alexander Freiherr von Helfert (Hrsg.): Mittheilungen der k.k. Central-Commission für Erforschung und Erhaltung der kunst- und historischen Denkmale. XXV. Jahrgang Neue Folge, K.k. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1899, S. 131. (PDF; 25,3 MB) und dazu „Großofen, Bärofen, Teufelstein usw.“Claus Jürgen Hutterer, Walter Kainz, Eduard Walcher: Weststeirisches Wörterbuch. Grammatik und Wortschatz nach Sachgruppen. In der Reihe: Schriften zur deutschen Sprache in Österreich. Band 13/14. Herausgegeben von Peter Wiesinger. Böhlau, Wien/Köln/Graz 1987, ISBN 3-205-07321-5, S. 305. Entsprechend etwa der Schrattelofen zu Schrat Waldgeist, Kobold. Das Wort Steinofen ist im Weststeirischen Wörterbuch unter dem Lemma „Štõυ(n)oufen“ mit einem Hinweis auf den Steirischen Wortschatz dokumentiert; darin wird es mit ‚zerschründete Felswand mit Höhlen‘ beschrieben.Unger-Khull, Steirischer Wortschatz. S. 573 (Viewer – Die dortige Quellenangabe „Voitsbg. L.=G.=P.“ bedeutet ein Landgerichtsprotokoll aus Voitsberg, „Fol.“ steht für Folio, Blatt.)

Erklärungen der Wortverwendung, welche die Öfen im Koralmgebiet im Auge haben, sind dahin publiziert, dass sich der Name von steingemauerten (Back-)Öfen ableitet, die in Bauernhöfen wegen Feuersgefahr getrennt von den anderen Gebäuden aufgestellt waren,Kieslinger, Steinöfen. S. 91. oder dahin, dass die Felsen im Almgebiet wind- und regensichere Stellen anboten, an denen Lagerfeuer angezündet werden konnten.Kieslinger, Steinöfen. S. 92. Eine weitere Erklärung, die von den Felswänden des Spitzelofens ausgeht,Robert Konopasek: „Spitzelofen, ein Marmorsteinbruch aus römischer Zeit in Kärnten.“ In: Res montanarum. Zeitschrift des Montanhistorischen Vereins Österreich. Heft 38. Juni 2006. Leoben. , S. 48 (Fußnote 23) und 64 unter Berufung auf ein Schreiben von Fritz Lochner von Hüttenbachs an diesen Autor vom 3. November 2004. erwähnt, dass als Ofen südseitig gelegene Felshänge bezeichnet wurden (bei Eberhard Kranzmayer: „sonnseitige Felswände“Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. Teil 1: Die Siedlungsgeschichte Kärntens von der Urzeit bis zur Gegenwart im Spiegel der Namen. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie. Band 50. Klagenfurt 1956, S. 148.), die von der Sonnenhitze „ähnlich wie Stubenöfen“Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. Teil 2: Alphabetisches Kärntner Siedlungsnamenbuch mit den amtlichen und den mundartlichen Formen, den ältesten und wichtigsten urkundlichen Belegen, der Etymologie und mit Zusammenstellungen der Grundwörter und Suffixe. Gleichzeitig Sachweiser zum Teil 1. Archiv für vaterländische Geschichte und Topographie. Band 51. Klagenfurt 1958, S. 195. erwärmt werden. Eine weitere Deutung am Beispiel des Sapotnigofens enthält einen Hinweis darauf, dass diese Bezeichnung aus slowenisch-mundartlich Zapotnîkova Peč entstanden ist.Eberhard Kranzmayer: Ortsnamenbuch von Kärnten. Teil 2, S. 194. Heinz Dieter Pohl macht in diesem Zusammenhang in seiner Publikation zu Bergnamen darauf aufmerksam, dass „… im Slawischen Ofen und Fels semantisch zusammenhängen: urslawisch pekti- Ofen, Fels, Höhle, slowenisch peč ‚Ofen, Fels‘, peča ‚Felshöhle, Grotte‘ (s. Petzen) …“, als deutsches Wort Pötsche, und schlägt eine Ableitung aus der Grundbedeutung Fels(-enhöhle) vorHeinz Dieter Pohl: Stichwort Ofen. In: Bergnamen (abgerufen am 10. März 2011). (vergl. dazu den Berg Ofen/Peč). Auch im Gellértberg in Budapest befindet sich eine Höhle, aber nicht nur dort, sondern die rechte Donauseite ist in den Budaer Bergen voller Höhlen, von denen der Name Pest und die deutsche Übersetzung Ofen stammt, die auch heute für die rechte Seite (Buda) benutzt wird.Dénes: Ortsnamen Ungarns. Die Bezeichnung Pest wechselte jedoch die Seiten und bezeichnet heute die linke Hälfte der Stadt.

Allen Formen von Öfen ist nach ihm als gemeinsames Merkmal (Tertium Comparationis) eine Hohlform eigen: bei Felswänden sind dies Überhänge, bei Karen die abschließenden Felswände, bei Höhlen deren Decken.Hasitschka, Ofen, S. 8. Danach kann der Begriff von den gemauerten Öfen (deren runder Form) abgeleitet werden.

Ob eine Bezeichnung tatsächlich das Wort Ofen in der Bedeutung eines Naturgebildes enthält oder ob sie speziell auf technische Verhüttung – wie Glasofen, Hochofen, Kalkofen, Ziegelofen oder Backofen – zurückzuführen ist, kann nur im Einzelfall aufgrund der örtlichen Situation und ihrer historischen Entwicklung bestimmt werden (Realprobe). Beispielsweise wird die Bezeichnung des Ofenpasses in Graubünden nicht auf Felsformen, sondern nachweislich auf Erzverarbeitung in Schmelzöfen zurückgeführt. Dasselbe gilt für Danöfen im Vorarlberger Klostertal (Eisenverhüttung, ‚bei den Öfen‘).

Definitiv nicht zum Wortfeld gehören etwa Welschnofen, Südtirol (aus ital. nova) und natürlich alle Ortsnamen auf -hofen/-höfen (Haus, Hof). Im Raum Tirol und Umgebung tritt das – nur inhaltlich – verwandte Wort Schrofen steiler, steiniger Abhang (zu schroff) hinzu.

Verbreitung und historischer Kontext mini|hochkant=1.5|Verbreitung der gesicherten und möglichen Toponymika für Felsformationen auf «Ofen» (Auswahl Stand 2014) Verbreitet ist das Wort insbesondere in dem Raum der Ostalpen, der sich quer über das Gebirge von Salzburg bis Unterkärnten und die Südweststeiermark erstreckt.

Dieser Raum bildet von Alters her eine wichtige transalpine Achse und gilt als eine Gegend, in der sich sowohl die römische Landnahme des Keltischen in der Spätantike wie auch die Baiuwarische Landnahme des Slawischen im ausgehenden Frühmittelalter weitgehend friedlich und auf Basis von Kohabitation und Assimilation vollzogen haben, da sich aller Orten Siedlungskontinuität auch im Namensgut feststellen lässt. Erstere Siedlungsphase betrifft aber so gut wie den gesamten Alpenraum, zweitere ganz Ostösterreich, sodass sich eine direkte Erklärung für genau dieses Gebiet nicht schlüssig daraus ergibt. Jedoch ist die baiuwarische Landnahme im Tirolischen viel früher abgeschlossen (7. Jahrhundert) und westlich der Salzach traten die Baiern primär mit Romanen (beziehungsweise romanisierter Bevölkerung, die nach Abzug der Römer im 5. Jahrhundert verblieben war) in Kontakt, was einen Zusammenhang – zumindest eine Stützung – mit slowenisch peč plausibler macht.

Die Ableitung aus dem Keltischen kann bedeuten, dass es sich zumindest bei manchen Öfen um alte Opferplätze handelt, die von nachfolgenden Kulturen weitergenutzt wurden.

Westlich – im Salzburgischen und Umgebung – schließt, weitgehend ohne Überlappung, das Verbreitungsgebiet Palfen (wohl romanisch tradiertes Vorrömisches) an, in nahezu derselben Bedeutung und Breite (‚Felsformation, -wand‘, vielleicht auch ‚Höhle‘); nördlich – Ober- und Niederösterreich – steht Parz für ‚Steinhügel‘.

Aussehen mini|hochkant|Der Großofen am Höllental miniatur|hochkant|Schrattelofen in der Weststeiermark Die Verwendung des Wortes ist nicht an ein bestimmtes Aussehen oder ein bestimmtes Gestein gebunden.