mini|Landgraf Friedrich II. mini|Kurfürst Wilhelm I.

Die Hessen-kasselsche Armee waren die Streitkräfte der Landgrafschaft Hessen-Kassel und des aus dieser hervorgegangenen nachmaligen Kurfürstentums Hessen. Sie bestand bis 1866, als sie aufgelöst und ihre Verbände in die Preußische Armee eingegliedert wurden.

Geschichte der Armee mini|Infanterie von Hessen-Kassel in der Schlacht bei Krefeld, Richard Knötel Die Armee im 17. und 18. Jahrhundert Die Anfänge der hessischen Armee gehen auf die Landgrafen nach dem Dreißigjährigen Krieg zurück, als die Landgrafschaft Hessen-Kassel nach der anfänglichen Demobilmachung ihres Söldnerheers militärpolitisch wie die meisten mittleren und großen Territorien im Reich den Weg zum stehenden Heer beschritt. Im 17. und 18. Jahrhundert beteiligte sich Hessen-Kassel nicht mehr an den Kontingentverpflichtungen der Reichskreise zur Stellung der Reichsarmee und die Landgrafen nahmen konsequent das Recht der Landesherren auf eigene Truppen („jus armorum et foederum“) für sich in Anspruch.Thomas Fuchs: Idee und Wirklichkeit des hessen-kasselischen Militärstaates, in: Zeitschrift des Vereins für hessische Geschichte (ZHG), Band 106 (2001), S. 19–35.

In der Zeit des Landgrafen Friedrich II. 1720–1785 erreichte die Armee ihren Höchststand mit 12.000 Mann Feldarmee und einer ebenso starken kasernierten Miliz. In Hessen-Kassel kam ein Soldat auf 15 Zivilisten, in Preußen war dieses Verhältnis 1:30.

Im Siebenjährigen Krieg nahmen die Regimenter der Armee Hessen-Kassels auf Seiten der alliierten Armee im Kampf gegen Frankreich und die Habsburger teil. Die Gefechtsstärke allein der Infanterie zum 1. Dezember 1762 in der Alliierten Armee betrug 13.568 Mann, verteilt auf 12 Infanterieregimenter, sechs Grenadierbataillone und die Garnisonsinfanterie. Die hessische Kavallerie hatte eine Gefechtsstärke von 2493 Mann in vier Kavallerieregimentern und zwei Dragonerregimentern. Die leichten Truppen (Jäger und Husaren) hatten eine Sollstärke (höher als die Gefechtsstärke) von 1091 Mann und die Artillerie eine Sollstärke von 517 Mann. Die Sollstärke der gesamten Armee lag bei 23.364 Mann, die tatsächliche lag aber deutlich darunter. So gab es ständig Verluste an Gefallenen, Desertierten, Verwundeten, Kranken und regulär aus dem Dienst Ausgeschiedenen, die für hohe Fluktuation in den Regimentern sorgten. 1762 gab es insgesamt 2623 Abgänge, davon nur 59 Gefallene, 323 an Verwundung oder Krankheit Verstorbene, aber 2236 Desertierte.Rudolf Witzel: Hessen-Kassels Regimenter in der Alliierten Armee 1762, 2007, S. 3–5.

Der Soldatenhandel unter Landgraf Friedrich II. mit Großbritannien hatte ab 1776 den Einsatz tausender Landeskinder auf britischer Seite im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg zur Folge.

Nach der Rangerhöhung des Landgrafen Wilhelm IX. von Hessen-Kassel zum Kurfürsten Wilhelm I. durch den Reichsdeputationshauptschluss im Jahre 1803 benannte dieser die hessischen Streitkräfte um.

mini|Der Orden vom Eisernen Helm, gestiftet 1814

Die militärischen Aktivitäten der Kurhessischen Armee nach 1806 konzentrierten sich im Kampf gegen Napoleon 1813/14 und im Krieg gegen Preußen.

Befreiungskriege Die Ablehnung des Kurfürsten, dem Rheinbund beizutreten, seine Neutralität im preußisch-französischen Krieg und die Mobilmachung seiner Armee im Rücken der nach der Schlacht bei Jena und Auerstädt siegreich nach Norden vorrückenden französischen Armee veranlassten Napoleon Bonaparte ihn im November 1806 abzusetzen, Hessen-Kassel zu okkupieren und 1807 zum größten Teil dem neugeschaffenen Königreich Westphalen einzuverleiben. Der geflüchtete Kurfürst hatte zuvor seine Truppen beurlaubt, die somit de facto (vorübergehend) nach Hause geschickt wurden. Nach dem Abzug der Franzosen und der Wiederherstellung seines „Kurfürstentums“ im Jahr 1813 rief der wiedereingesetzte Wilhelm die Beurlaubten in seinen Dienst zurück.

Wilhelm betrieb fortan eine Revisionspolitik, die von dem, was in napoleonischer Zeit eingeführt worden war, alles rückgängig machte, was ihm zum Nachteil gereichen könnte. Obwohl mit der Auflösung des Heiligen Römischen Reiches die Funktion und damit auch der Titel eines Kurfürsten obsolet geworden war, behielt ihn Wilhelm als einziger Fürst im Deutschen Bund für sich und alle staatlichen Bezeichnungen bei. Inzwischen aufgenommene Staatsanleihen erkannte er nicht an, setzte alle Beamten in seinem Dienst auf die Ränge von 1807 zurück, und stufte die in den zurückliegenden sieben Jahren beförderten Offiziere im Sold auf die Höhe von 1807 zurück. Äußeres formales Zeichen dafür war, dass beim Militär der Zopf wieder eingeführt wurde.

Am 23. November 1813 erschien die Order:

Die Mannschaft ergänzte sich aus alten Urlaubern, aus Leuten, die ruhmvoll für das Vaterland in Spanien und Russland gekämpft hatten und aus Freiwilligen. Allerdings hatten die Kriegszüge Napoleons auch hier ihre Spuren hinterlassen. Alle tauglichen Männer der kurhessischen Armee waren zu den Streitkräften des Königreichs Westphalen eingezogen worden und hatten ihren Blutzoll entrichtet. Aus diesem Grunde war es nicht möglich, die Armee ohne Weiteres auf den Stand von 1807 zu bringen.

Einzufinden hatte sich

in Kassel: das Regiment „Garde du Corps“, das „Regiment Garde“, das „Regiment Garde Grenadiere“, alles an Artillerie in Hofgeismar: das „Leib-Dragoner-Regiment“ in Grebenstein: das „Husaren-Regiment“ in Ziegenhain: das „Infanterie-Regiment Landgraf Carl“ in Eschwege: das „Infanterie-Regiment Prinz Solms“ (vormals Regiment Wurmb) in Witzenhausen: das „Grenadier Bataillon“

Ein Teil der vormaligen und lediglich noch aus Resten bestehenden Einheiten wurde mit anderen zusammengelegt. Einige der wiederaufgestellten Verbände wechselten bis zum Jahre 1866 mehrfach die Namen und teilweise auch die Waffengattungen.

Nach dem Rückzug der Franzosen und der Flucht des Königs Jerome von Westphalen aus Kassel wurde nach der Rückkehr des Kurfürsten unverzüglich mit der Wiederaufstellung der Regimenter begonnen und die kurhessische Armee in Stärke von: 21.182 Infanteristen, 1.764 Kavalleristen, 1.047 Artilleristen, 23.993 Mann gesamt, als „4. deutsches Bundescorps der kurhessischen Truppen nach der Ordre vom 10. Januar 1814“ in die verbündeten Truppen eingestellt.

mini|Kurhessische Soldaten trugen den 1813 wiedereingeführten Zopf bis 1821, aus dem Uniformwerk von Richard Knötel IV, 14

Die Verbände kämpften nur im Osten Frankreichs und waren nahezu ausschließlich bei der Belagerung der Festungen Metz, Luxemburg, Thionville, Saarlouis und Longwy eingesetzt. Am 8. Juli 1814 trat die kurhessische Armee den Rückmarsch in die Heimat an.

Kurhessischer Verfassungskonflikt von 1850 Als Novum in der deutschen Militärgeschichte gilt das Verhalten des Offizierskorps im Kurhessischen Verfassungskonflikt von 1850. Ursache waren die, vom Kurfürsten verfassungswidrig angeordneten Steuererhöhungen – gegen den, zunächst erfolgreichen Widerstand der kurhessischen Ständeversammlung. Der Kurfürst verhängte daraufhin das Kriegsrecht. Als auch diese Maßnahme fehlschlug und der Widerstand weiter wuchs, versuchte der bereits aus Altersgründen pensionierte und am 30. September 1850 reaktivierte und zum militärischen Oberbefehlshaber der kurhessischen Armee ernannte Generalleutnant Carl von Haynau mit einer Proklamation an die Soldaten und einer Ansprache an die Offiziere am 4. Oktober 1850 die Kontrolle über das Militär zu behalten. Auch dies misslang. Die Offiziere hatten ihren Eid nicht nur auf den Kurfürsten, sondern auch auf die Verfassung geleistet – eine einmalige Konstellation im Deutschland des 19. Jahrhunderts. Um nicht eidbrüchig zu werden, reichten 241 von 257 Offizieren zwischen dem 9. und 12. Oktober 1850 ihre Demission ein. Dies machte das kurhessische Militär handlungsunfähig. Um die Konterrevolution zu retten, rief der Kurfürst nunmehr die Bundesversammlung um Hilfe an, die im Rahmen einer Bundesintervention österreichische und insbesondere bayerische Truppen nach Kurhessen entsandte. Diesen so genannten „Strafbayern“ setzte die kurhessische Armee keinen Widerstand entgegen.

Deutscher Krieg Als im Jahr 1866 die Bundesexekution gegen Preußen angeordnet wurde, sah sich der sehr kriegsunwillig eingestellte Kurfürst widerstrebend gezwungen, seine Streitkräfte zu mobilisieren. Die angestrebte Neutralität hätte nur erreicht werden können, indem man das (an sich unannehmbare) Ultimatum Bismarcks akzeptierte, das unter anderem die Abdankung des Kurfürsten und die Übergabe der Amtsgeschäfte an den präsumtiven Thronfolger vorsah. Dazu wollte sich der Kurfürst jedoch nicht bereiterklären. Nichtsdestoweniger lief die Mobilmachung nur äußerst schleppend an und wurde ohne großen Nachdruck durchgeführt. Da fast die gesamte kurhessische Armee im Deutschen Bundesheer zur Besatzung der Festung Mainz bestimmt und damit von den wichtigen Ereignissen nicht betroffen war, kam es lediglich zu einigen unblutigen Schießereien zwischen preußischen Husaren und kurhessischen Landgendarmen.

Die kurhessischen Verbände sammelten sich in Hanau, wo sie erst am 22. Juni vollzählig waren, also zwei Tage nach Gefangensetzung des Kurfürsten durch preußische Truppen. Der Kommandeur des kurhessischen Korps, Karl von Loßberg war nur zweite Wahl, nachdem der Kurfürst dem eigentlichen Oberbefehlshaber, dem Thronfolger, schon nach einem Tag aus Misstrauen das Kommando wieder entzogen hatte. Loßberg war äußerst kriegsunwillig. Er sah die kurhessische Armee der preußischen als hoffnungslos unterlegen an und hielt Widerstand für sinn- und zwecklos, insbesondere da der Kurfürst bereits als Gefangener nach Stettin gebracht worden und die allgemeine Stimmung im Land sehr preußenfreundlich war. Große Teile des Offizierskorps hätten es lieber gesehen, wenn man sich, wie z. B. die Sächsischen Herzogtümer auf die preußische Seite gestellt hätte.

Am 29. Juni 1866 wurden die kurhessischen Truppen, wie vorgesehen in die Bundesfestung Mainz beordert, um dort die Besatzung zu stellen. Eine erste Aufforderung zur Kapitulation durch den preußischen Parlamentär Major Preuß lehnte von Loßdorf mit den Worten „Mit Entrüstung weise ich daher … eine Aufforderung zurück, welche … Treue und Ehre mit Füßen trete.“

In Mainz machte sich bei den Truppen inzwischen zunehmend Unruhe breit. Das Offizierskorps war für eine sofortige Übergabe an die Preußen, während die Mannschaft durchaus noch auf Seiten des Kurfürsten stand. In dieses Dilemma, in dem sich der Oberkommandierende befand, fielen die Friedensschlüsse vom 26. Juli und 2. August und die damit verbundene Auflösung des Bundesheeres. Die kurhessischen Truppen verblieben zunächst in Mainz, um eine Entscheidung des Kurfürsten abzuwarten. Diese Angelegenheit erledigte sich jedoch von selbst, als der preußische Landtag am 17. August die Annexion Kurhessens beschloss.

Eine gewaltsame Entwaffnung der kurhessischen Streitkräfte war zwar zunächst in Erwägung gezogen, dann jedoch verworfen worden. Das kurhessische Korps wurde der preußischen Main-Armee unterstellt und die Festung Mainz am 26. August an Preußen übergeben. Zwischen den eingerückten Preußen und den Soldaten des Kurhessischen Korps kam es daraufhin zu Unruhen und Schlägereien, sodass man bemüht war, die Hessen so bald als möglich loszuwerden. Die Kurhessische Armee verließ daraufhin, ohne formal kapituliert zu haben, die Festung und kehrte in ihre Heimatgarnisonen zurück. Nach der am 16. September 1866 verkündeten „Eides-Entbindung“ durch den Kurfürsten wurden die Regimenter demobilisiert und der Großteil der Soldaten nach Hause geschickt. Die kurhessischen Regimenter wurden nicht geschlossen, sondern nur als Stamm übernommen; das fehlende Personal wurde vorrangig aus anderen preußischen Landesteilen eingestellt.

In der Preußischen Armee Die beiden Husarenregimenter bildeten die Husaren-Regimenter „König Humbert von Italien“ (1. Kurhessisches) Nr. 13 und „Landgraf Friedrich II. von Hessen-Homburg“ (2. Kurhessisches) Nr. 14