François Delecour (* 30. August 1962 in Hazebrouck) ist ein französischer Rallyefahrer.
Karriere
Karrierebeginn als Privatfahrer
François Delecour begann seine Rallyekarriere 1981. In einem Talbot Samba Rallye bestritt er 1984 die Rallye Monte Carlo in der Rallye-Weltmeisterschaft (WRC). In den folgenden Jahren nahm er als Privatfahrer mit einem Peugeot 205 GTI und einem Peugeot 309 GTI an der Rallye Monte Carlo teil. Er startete in dieser Zeit regelmäßig in der französischen Rallye-Meisterschaft und erreichte den vierten Meisterschaftsrang 1989 und im Jahr 1990 den Dritten. Im gleichen Jahr erzielte Delecour bei der Rallye Monte Carlo den neunten Platz und die ersten zwei Weltmeisterschaftspunkte.
Werksteam-Vertrag bei Ford
1991 wurde Delecour Werksfahrer bei Ford. Er kam mit einem Ford Sierra RS Cosworth 4×4 zu mehreren Einsätzen in der Rallye-Weltmeisterschaft. Bereits beim Saisonauftakt in Monte Carlo erreichte er mit Platz drei seine erste Podiumsplatzierung. Ein weiterer dritter Platz folgte bei der Rallye Katalonien, die Fahrer-Weltmeisterschaft schloss er auf dem siebten Rang ab. Ab der Saison 1992 wurde Daniel Grataloup sein Beifahrer für mehrere Jahre. In der Fahrer-Weltmeisterschaft belegte Delecour den sechsten Platz mit 45 Punkten.
Zur Saison 1993 stieg Ford auf das Modell Ford Escort RS Cosworth um. Diese Saison entwickelte sich zu der erfolgreichsten in Delecours Karriere. Auf den zweiten Platz in Monte Carlo folgte bei der Rallye Portugal sein erster Sieg und er führte anschließend die Fahrer-Weltmeisterschaft an. Zwar gewann Delecour in diesem Jahr mit der Rallye Korsika und der Rallye Katalonien noch zwei weitere Rallyes, doch musste er sich im Kampf um die Weltmeisterschaft dem Finnen Juha Kankkunen geschlagen geben. Von den Experten als Favorit auf den WM-Titel eingestuft begann Delecour die Saison 1994. Zu Saisonbeginn gewann er zum ersten Mal die Rallye Monte Carlo. Auch bei der Rallye Portugal war er bis zum Ausfall der schnellste Fahrer. Wenige Wochen später wurde Delecour in einen Verkehrsunfall verwickelt. Er musste wegen Verletzungen die halbe Saison pausieren, womit seine Chancen auf den Fahrer-Titel nicht mehr vorhanden waren. Zur drittletzten Rallye der Saison gab er das Comeback und schlussendlich belegte Delecour den achten Rang in der Fahrer-Weltmeisterschaft.
Nach dem schweren Straßenunfall konnte Delecour nicht mehr ganz an die Erfolge der letzten beiden Jahre anknüpfen. Die Saison 1995 beendete er, mit zwei zweiten Plätzen einmal bei der Rallye Monte Carlo und der Rallye Korsika als beste Ergebnisse, auf dem vierten Rang in der Weltmeisterschaft.
Werksfahrer bei Peugeot
Nach der Saison 1995 verließ Delecour Ford und ging zu Peugeot. Mit einem Peugeot 306 Maxi war er nun wieder in der französischen Rallye-Meisterschaft unterwegs. In den Jahren 1996 und 1997 gewann er dort drei Rallyes und schloss die Meisterschaft jeweils auf dem dritten Rang ab. Peugeot trat in der Rallye-Weltmeisterschaft nur zu einzelnen Läufen an, deshalb konnte Delecour nicht um vordere Platzierungen in der Gesamtwertung mitkämpfen. In diesem Abschnitt seiner Karriere erzielte er als bestes Resultat in der Weltmeisterschaft den zweiten Rang bei der Rallye Korsika 1998.
Die Rallye Monte Carlo bestritt Delecour 1999 als Privatier mit einem Ford Escort WRC und beendete diese als Vierter. Peugeot brachte zur Rallye Korsika erstmals den Peugeot 206 WRC an den Start, mit dem Delecour die restliche Saison absolvierte. Für Delecour wurde es inzwischen allmählich schwieriger, sich gegen seine Teamkollegen Gilles Panizzi und Marcus Grönholm zu behaupten. In der Saison 2000 stand er in deren Schatten. Delecour erreichte bei vier Rallyes das Siegerpodest der ersten Drei, Siege wurden jedoch durch technische Defekte und Stallorder verhindert. Während Grönholm die Weltmeisterschaft gewann, blieb für Delecour nur der sechste Platz. Wegen Meinungsverschiedenheiten mit Panizzi und der Teamleitung, die ihn seiner Ansicht nach benachteiligte, verließ er Peugeot nach der Saison.
Rückkehr zu Ford und erfolgloses Karriereende
miniatur|François Delecour im Ford Focus WRC bei der Rallye Finnland 2001 Zur Saison 2001 kehrte Delecour zu Ford zurück, deren Werkseinsätze inzwischen vom Team M-Sport organisiert wurden. François Delecour pilotierte einen Ford Focus RS WRC. Die Saison begann er mit einem dritten Platz bei der Rallye Monte Carlo. Dieser Erfolg blieb sein einziges Podiumsergebnis in dieser Saison, Punkte erzielte er weiterhin regelmäßig. Nach dem Saisonende belegte er den neunten Rang in der Fahrer-Weltmeisterschaft.
Nach einem Jahr bei Ford wechselte Delecour 2002 zu Mitsubishi. Der damals neue Mitsubishi Lancer WRC war allerdings nicht konkurrenzfähig und ermöglichte Delecour keine Resultate in den Punkterängen. Bei einem Unfall im vorletzten Weltmeisterschaftslauf in Australien verletzte sich Beifahrer Daniel Grataloup so schwer, dass er nicht am Saisonfinale in Großbritannien teilnehmen konnte. Dominique Savignoni nahm den Platz auf dem Beifahrersitz ein. Nach der Saison 2002 beendete er seine Karriere im internationalen Rallyesport vorläufig.
In den folgenden Jahren nahm Delecour an einzelnen nationalen und internationalen Rallyes teil. In der Rallye-Weltmeisterschaft startete er wiederholt an einzelnen Rallyes mit einem Porsche 997 GT3 Cup RGT oder in einem Peugeot 207 S2000. Dabei standen nicht die Resultate im Vordergrund, sondern der Gedanke des Mitmachens und der Spaß.
Comeback in der IRC 2011
Ende des Jahres 2010 gab der achtundvierziegjährige Delecour die Nachricht in die Medien, sein Comeback bei der Rallye Monte Carlo 2011 zu geben. Diese wurde im Rahmen der Intercontinental Rally Challenge (IRC) ausgetragen.Monte Carlo: Delecour setzt auf einen Peugeot (Motorsport-Total.com am 7. Dezember 2010) Delecour steuerte einen Peugeot 207 S2000 und sein Beifahrer war wieder Dominique Savignoni. Delecour konnte auf Anhieb mit dem Tempo der Konkurrenten mithalten. Mit der richtigen Reifenwahl gewann er eine Wertungsprüfung auf verschneiten Straßen und lag zeitweilig auf dem zweiten Gesamtrang.Reifenpoker im Schnee: Bouffier führt die "Monte" an (Motorsport-Total.com am 20. Januar 2011) Die Rallye beendete er auf dem fünften Platz. Anschließend gab er bekannt, an weiteren Läufen der Intercontinental Rally Challenge teilnehmen zu wollen.Spaß gehabt: Delecour plant weitere IRC-Einsätze (Motorsport-Total.com am 10. Februar 2011)
Statistik
WRC-Siege
Nr. Saison Rallye Beifahrer Fahrzeug 1 1993 Daniel Grataloup Ford Escort RS Cosworth 2 Daniel Grataloup Ford Escort RS Cosworth 3 Daniel Grataloup Ford Escort RS Cosworth 4 1994 Daniel Grataloup Ford Escort RS Cosworth
Einzelergebnisse WRC
Jahr Team Fahrzeug 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 Punkte Rang 1984 François Delecour Talbot Samba Rallye 0 - 67 1985 François Delecour Peugeot 205 GTI 0 - DNF 1986 François Delecour Peugeot 205 GTI 0 - DNF 1987 François Delecour Peugeot 205 GTI 0 - 16 1989 François Delecour Peugeot 309 GTI 0 - DNF 1990 Peugeot France Peugeot 309 GTI 2 54 9 DNF 1991 Q8 Team Ford Ford Sierra RS Cosworth 4×4 40 7 3 DNF DNF DNF 4 3 6 1992 Ford Motor Co Ltd. Ford Sierra RS Cosworth 4x4 45 6 4 DNF 2 5 DNF 3 DNF 1993 Ford Motor Co Ltd. Ford Escort RS Cosworth 112 2 2 1 1 DNF 3 DNF 1 4 1994 Ford Motor Co Ltd. Ford Escort RS Cosworth 30 8 1 DNF 4 DNF DNF 1995 R.A.S. Ford Ford Escort RS Cosworth 46 4 2 DNF DNF 2 6 DNF 4 DNF 1996 Ford Motor Co Ltd Ford Escort RS Cosworth 0 - 11 1997 Peugeot Sport Peugeot 306 Maxi 3 19 DSQ 4 1998 Peugeot Sport Peugeot 306 Maxi 6 10 10 8 2 DNF 1999 François Delecour Ford Escort WRC 3 16 4 Peugeot Esso Peugeot 206 WRC DNF DNF 9 DNF DNF DNF 2000 Peugeot Esso Peugeot 206 WRC 24 6 DNF 7 13 5 7 13 9 DNF 6 3 2 2 3 6 2001 Ford Motor Co Ltd. Ford Focus RS WRC 15 9 3 5 5 6 7 DNF 5 4 DNF 12 6 10 DNF 2002 Mitsubishi Ralliart Mitsubishi Lancer WRC 0 - 9 34 7 9 13 DNF 11 DNF DNF 9 10 9 DNF DNF 2012 M-Sport Ford WRT Ford Fiesta RS WRC 8 17 6 2014 François Delecour Ford Fiesta RS WRC 0 - DNF Porsche 997 GT3 32 2015 François Delecour Porsche 997 GT3 Cup RGT 0 - 23 53 19 2016 François Delecour Peugeot 207 S2000 0 - 19
Quelle:ewrc-results.com: Starts - WRC, 6. Februar 2016
Weblinks WRC-Statistiken auf juwra.com Biografie auf rallye-info.com
Einzelnachweise
Kategorie:Rallyefahrer (Frankreich) Kategorie:Franzose Kategorie:Geboren 1962 Kategorie:Mann