Die Schlacht um Ap Bac (vietnam. Ấp Bắc) war ein kurzes, aber militärgeschichtlich bedeutsames Ereignis während der ersten Jahre des Vietnamkrieges. Während der Schlacht kämpfte ein Bataillon der Nationalen Volksbefreiungsfront (Vietcong) in Südvietnam gegen numerisch weit überlegene Truppen der Armee der Republik Vietnam (ARVN). Trotz des Einsatzes von Kampfbombern, Artillerie, Hubschraubern und gepanzerten Truppentransportern gelang es den Regierungstruppen nicht, die Guerillakräfte zu besiegen. Vergeblich befahlen amerikanische Berater den vietnamesischen Offizieren, offensiv vorzugehen. Einige Einheiten und Befehlshaber weigerten sich zu gehorchen und forderten stattdessen Luftunterstützung an. Noch am selben Tage gelang es den Partisanen schließlich, im Schutz der Dunkelheit zu entkommen.

Hintergrund Vietnam 1960/1962 links|miniatur|Indochina zu Beginn der 1960er Jahre Anfang der 1960er Jahre war Südvietnam ein Land im Aufruhr, nach wie vor war Ngo Dinh Diem offizieller Präsident der Republik. Doch aufgrund von zahlreichen repressiven Maßnahmen, wie beispielsweise der Verfolgung Andersdenkender, Zwangsumsiedlungen und hoher Pachtabgaben steigerte sich der Unmut in der südvietnamesischen Bevölkerung.[Frey, Geschichte des Vietnamkriegs, S. 63] Anfang 1959 kam es schließlich zu den ersten bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Aufständischen und Regierungstruppen. Den Anfang machte das indigene Volk der Kor, eines der zahlreichen Bergvölker im vietnamesischen Hochland. Sie überfielen das Dorf Teo Reo, das eine Garnison der ARVN war. 60 Mann der Besatzung wurden getötet, wenig später erhoben sich auch einige andere Stämme.[Knöbl, Victor Charlie: Viet Cong, S. 151]

Auch andernorts organisierte sich der Widerstand gegen das Regime. Ehemalige Viet Minh, denen es gelungen war, den Verfolgungen zu entkommen, stellten erste Partisaneneinheiten auf. So kam es im Februar 1960 in Tay Ninh zu der berüchtigten Schlacht um Tua Hai, in deren Verlauf es den Rebellen gelang, das Hauptquartier des 32. Regiments einzunehmen und sehr große Mengen von Waffen zu erbeuten. Während der nächsten zwei Jahre breitete sich der Aufstand wie ein Lauffeuer im ganzen Land aus.

Auch Hanoi änderte seine bisher defensive Strategie, und im Verlauf des Jahres 1960 sickerten etwa 4500 ursprünglich aus dem Süden stammende Guerilleros in ihre Heimatregionen ein. Schließlich wurde am 20. Dezember 1960, in einer geheimen Basis unweit von Saigon die Nationale Front für die Befreiung Südvietnams gegründet. Sie organisierte den politischen und militärischen Widerstand gegen das Regime auf einer neuen Ebene. Die Rebelleneinheiten erhielten ein zentrales Kommando, zahlreiche Komitees wurden gegründet, die sich auf Interzonen-, Provinz-, Distrikt-, Stadt- und Dorfebene organisierten.[Knöbl, Victor Charlie: Viet Cong, S. 288–89]

Bis Ende 1961 änderte sich die militärische Lage in Südvietnam dramatisch. Bisher konnten sich die Regierungsvertreter und Soldaten der ARVN ungehindert im Land bewegen und Jagd auf die vermeintlichen Gegner des Staates machen. Doch nun wurden in vielen Provinzen die Verfolger zu Verfolgten. Auch großzügige militärische und wirtschaftliche Hilfe durch die USA konnte daran nichts ändern. Ende 1961 befand sich das Regime endgültig in der Defensive. Jeden Monat wurden mehr als 200 Anhänger Diems getötet, die Zahl der Verletzten stieg auf mehr als 1000. Diem musste selbst eingestehen, dass ihm die Kontrolle über sein Land immer mehr aus den Händen glitt. Im Juni 1961 schrieb er einen Brief an den neu ins Amt gekommenen US-Präsidenten John F. Kennedy und bat darin um Geld für den Aufbau der südvietnamesischen Streitkräfte. Außerdem forderte er ein Militärbündnis und die Entsendung amerikanischer Kampftruppen. Kennedy entschloss sich, diese Forderungen in einem gewissen Maße zu erfüllen und die Militär- und Wirtschaftshilfe wurde massiv aufgestockt und die Anzahl der Militärberater beinahe verdreifacht – von 3200 im Dezember 1961 auf über 9000 ein Jahr später. US-Truppen sollten Aufklärungsflüge und den Lufttransport übernehmen, außerdem wurde das „Militärische Hilfskommando Vietnam“ (MACV) gegründet. Zudem wurden die Green Berets in die vietnamesischen Wälder geschickt, um nationale Minderheiten zu rekrutieren und für ihre Zwecke zu nutzen.[Frey, Geschichte des Vietnamkriegs, S. 89]

mini|Präsident Ngo Dinh Diem war Anführer des Saigoner Regimes Zudem wurde mit großem Aufwand das Wehrdorfprogramm, der so genannte „Taylor-Staley-Plan“, im März 1962 begonnen. Dieser sah vor, dass große Teile der Bevölkerung in mit Stacheldraht, Wassergräben und Aussichtstürmen befestigte Dörfer umgesiedelt und so von dem Einfluss der Rebellen ferngehalten werden sollten. Doch sehr viele Bauern wollten die Härten der Umsiedlung nicht auf sich nehmen. Korruption und Missmanagement verhinderten eine effektive Verteilung der für das Programm bereitgestellten amerikanischen Mittel. Vom zentralen Hochland abgesehen, wo die CIA das Programm leitete, war das Wehrdorfprogramm ein Fehlschlag. Die NLF zerstörte unzählige dieser Dörfer oder brachte sie unter ihr Kommando. 1963 schrieb die New York Times: „Man trieb einfach einige Leute zusammen, warf ihnen eine Rolle Stacheldraht über den Kopf und das strategische Dorf war fertig.“[Knöbl, Victor Charlie: Viet Cong, S. 212]

Durch das Wehrdorfprogramm brachte die Regierung weite Teile der Bevölkerung gegen sich auf. Doch militärisch gesehen war das Jahr 1962 durchaus erfolgreich für Saigon. Die Amerikaner hatten der ARVN zahlreiche neue Waffen, wie Schützenpanzer, Hubschrauber, Kampfbomber und Artillerie zukommen lassen. Durch die neu gewonnene Mobilität konnte sie einige Siege über die Rebellen erringen. Eine Zeit lang schien es so, als hätten sie endlich ein Mittel gefunden, um den Aufstand im eigenen Land effektiv bekämpfen zu können. Für die NLF stellte die technische Überlegenheit der Amerikaner und der Regierungstruppen ein großes Problem dar. Nur sehr langsam konnte sie ihre Taktik den neuen Gegebenheiten anpassen.

Kampf um Ap Bac Vorbereitungen In den Jahren von 1960 bis 1962 gelang es der Befreiungsfront, die Provinzen des Mekongdeltas weitgehend unter ihre Kontrolle zu bringen. Das unübersichtliche Land des Deltas, durchzogen mit Kanälen, Reisfeldern, Sümpfen, unwegsamen Pfaden und dichtem Busch, war das ideale Gelände für den Guerillakrieg. Dabei konnte sie auf Mao Zedongs Konzepte des Guerillakampfes zurückgreifen, der wie geschaffen war für das Mekongdelta. Die Befreiungsfront verfügte über eine hervorragend funktionierende Verwaltung. Einheiten ihrer Armee und politische Kader konnten sich ungehindert bewegen. In den Reisfeldern des Deltas standen geflochtene Sowjetsterne, an primitiven Anschlagtafeln hingen handgezeichnete Plakate der Guerilleros. Niemand entfernte sie und von den Bauern wurden sie als Symbole einer sich installierenden Macht angesehen. Unzählige Funktionäre der Regierung wurden umgebracht oder so eingeschüchtert, dass sie freiwillig mit der NLF zusammenarbeiteten.[Knöbl, Victor Charlie: Viet Cong, S. 70]

mini|Ein frühes Modell des M-113-Schützenpanzers Während sich die Partisanen vor den Toren Saigons ungehindert bewegen konnten, hatten die Regierungstruppen, nach herkömmlichen Strategien operierend, dem nur wenig entgegenzusetzen. Ende 1962 versuchten die Amerikaner, das Delta wieder unter ihre Kontrolle zu bringen. Sie setzten besonders große Hoffnungen auf den Einsatz neuer Waffentechnologie. So wurde eigens für den Sumpfkrieg der leichte Truppentransportpanzer M113 entwickelt. Dieser konnte sich in Wasser und Schlamm genauso bewegen wie an Land, mit ihm hoffte man endlich Fortschritte erzielen zu können.

Ende 1962 operierte das 514. Bataillon der Befreiungsarmee in den Provinzen Dinh Tuong, Vinh Long und Kien Hoa. Es war eine kampferprobte und gut ausgerüstete Einheit, die bereits einige Siege über die ARVN erringen konnte. Es verfügte über 4 Maschinengewehre, einige Karabiner und automatische Waffen, ausnahmslos erbeutete amerikanische Gewehre. Die Munition reichte jedoch nicht für einen länger andauernden Kampf. Im Oktober 1962 operierte das Bataillon in dem Gebiet zwischen My Tho und Saigon, im November wurde es im Nordwesten der Provinz Dinh Tuong gesehen. Den Dezember über lagerten die NLF-Soldaten in der Nähe des Dorfes Babeo, einige Kilometer südöstlich des Schlachtfeldes. Am 28. Dezember schließlich entdeckte man ein Lager des Bataillons 3 Kilometer westlich von Ap Bac, 80 km südwestlich von Saigon. Auf heftiges Drängen seines amerikanischen Beraters Oberstleutnant John Paul Vann entschloss sich der Kommandeur der 7. Infanteriedivision der ARVN, Oberst Bui Dinh Dam, das Bataillon anzugreifen. Um den Angriff durchzuführen, mobilisierte er drei Bataillone der 7. Division, zwei Ranger-Kompanien, vier Kompanien der Zivilgarde, vier Kompanien der regionalen Selbstverteidigungskräfte, 13 M113, eine Batterie aus sechs 105-mm-Geschützen und eine Granatwerferkompanie. Diese insgesamt 3500 Soldaten wurden außerdem von einer Staffel amerikanischer Hubschrauber unterstützt.[Burchett, Partisanen contra Generale, S. 130] Es sollte das erste Mal sein, dass die 7. Division unter dem Kommando von Oberst Dam in den Kampf geführt wurde.

Bataillonskommandeur Duyen erfuhr am 1. Januar um 19:00 Uhr von dem geplanten Angriff. Der Nachrichtendienst der NLF hatte den Funkverkehr der ARVN abgehört und war über alle geplanten Maßnahmen informiert. Am nächsten Tag verlegte Duyen seine Truppen in das Dorf, sofort begannen sie damit, Gräben auszuheben und zu befestigen. Das Bataillon war mit seinen 2 Kompanien, insgesamt kaum 240 Mann, dem Feind zahlenmäßig weit unterlegen, daher forderte Duyen über Funk Verstärkung an. Um 3:45 Uhr trafen 50 weitere Kämpfer der örtlichen Guerillabewegung ein. Zu dieser Zeit war das Dorf einigermaßen befestigt, die von den Dorfbewohnern bereits ausgehobenen Tunnel und Gräben kamen den Guerilleros nun zugute. Eine halbe Stunde später verlegte Duyen seine Truppen ein weiteres Mal. In der Baumlinie vor Ap Bac gruben sich die Soldaten dann schließlich ein. Am 2. Januar, um 4:30 Uhr früh waren alle Vorbereitungen abgeschlossen. Etwa zur selben Zeit setzten Flussboote die Einheiten der 7. Infanteriedivision nördlich von Ap Bac an Land. Als Nächstes brachten Lastwagen weitere Truppen zu einer Kreuzung südlich des Ortes. Schützenpanzer und Helikopter setzten noch mehr Soldaten nördlich und westlich des Schlachtfeldes ab. Um 6:00 Uhr traf schließlich die letzte Einheit ein und vollendete die Einkesselung.

Verlauf der Schlacht Am 2. Januar um 6:00 Uhr früh begann die Artillerie der ARVN mit dem Beschuss des Dorfes. Eine halbe Stunde später wurde das Feuer eingestellt und das 11. Bataillon des 11. Regiments landete nördlich der Stellungen. Amerikaner und Südvietnamesen hatten bis zu diesem Zeitpunkt damit gerechnet, den Feind zu überraschen. Doch nun mussten sie erkennen, dass dieser sich gut auf die Schlacht vorbereitet hatte. Südlich des Dorfes landeten die Sondergruppen A und B, die aus zwei Kompanien der Zivilgarde bestanden. Sie standen unter dem Kommando des Provinzkommandeurs von Dinh Tuong, Major Lam Quang Tho. Westlich des Dorfes wurden die M113 Truppentransporter aufgefahren, diese wurden von Hauptmann Ly Tong Ba kommandiert. Die Felder im Osten wurden nicht besetzt, denn falls die Guerilleros in diese Richtung fliehen würden, könnten sie mit Leichtigkeit durch Artilleriebeschuss und Luftangriffe vernichtet werden. Um 7:00 Uhr früh waren die NLF-Soldaten komplett umstellt.[Knöbl, Victor Charlie: Viet Cong, S. 72]