mini|hochkant=1.4|Ansicht des Schlossgebäudes von Osten über den mini|hochkant=1.4|Ansicht des Schlossgebäudes von Südwesten
Brodick Castle ist ein Schloss auf der schottischen Insel Arran nahe der Stadt Brodick. Es steht auf einem flachen Plateau auf der Ostseite der Insel am nördlichen Ufer der Bucht von Brodick. Im Nordwesten erhebt sich hinter dem Schloss der 874 Meter hohe Goatfell.
Die heutige Anlage ist aus einem Wikingerfort hervorgegangen. Aus jener Zeit stammt auch der heutige Name des Schlosses: Brodick bedeutet in der Altnordischen Sprache „große Bucht“ (). Nach der Schlacht von Largs an den schottischen König abgetreten, nutzte dieser die Anlage als einen von insgesamt drei königlichen Stützpunkten auf der Insel; neben Brodick standen ihm noch Lochranza und Kildonan Castle zur Verfügung.
Auf den Fundamenten der Wikinger-Anlage entstand im 13. Jahrhundert unter den Stewarts von Menteith eine neue Burg, die allmählich und über Jahrhunderte hinweg zum heutigen Schloss im Stil des aus- und umgebaut wurde. Eine letzte große bauliche Veränderung erfolgte in den 1840er Jahren durch die Herzöge von Hamilton, denen Brodick Castle seit dem letzten Viertel des 15. Jahrhunderts gehörte und deren Stammsitz es bis zum Ende des 17. Jahrhunderts war. Nach dem Tod von Mary Louise Hamilton im Jahr 1957 ging das Schloss samt 600 Acres (rund 243 Hektar) Ländereien in staatlichen Besitz über und wird seither vom (NTS) verwaltet. Brodick Castle ist damit der älteste noch bewohnbare Besitz dieser Institution.
Seit dem 14. April 1971 steht die Anlage inklusive des zugehörigen Parks und Gartens als der Kategorie A unter Denkmalschutz. 1987 wurden die Außenanlagen in das Inventory of Gardens and Designed Landscapes in Scotland aufgenommen. Das Schlossgebäude kann von April bis Oktober entgeltlich besichtigt werden. In seinen Räumen ist eine Sammlung von Möbeln, Silberwaren, Porzellan und Gemälden ausgestellt, darunter zahlreiche Stücke aus der Sammlung des exzentrischen Autors und Architekten William Beckford of Fonthill. Brodicks Schlosspark mit seiner berühmten Rhododendron-Sammlung ist das ganze Jahr über für Besucher geöffnet. Doch obwohl das Schloss zu den bedeutendsten Objekten in der Obhut des zählt, ist es mit rund 400.000 Pfund Defizit im Jahr zugleich auch sehr verlustreich.
Geschichte
Die Anfänge
Arran gehörte etwa seit dem 6. Jahrhundert zum skotischen Kleinkönigreich Dalriada. Den Skoten folgten Wikinger als Herren der Insel, die am Ort des heutigen Schlosses eine erste Befestigung bauten. Durch ihre Lage kontrollierte sie die Einfahrt in den und damit den Seezugang zu einem Großteil der schottischen Westküste. In der Folgezeit war diese strategisch wichtige Anlage deshalb oft umkämpft. In den 1260er Jahren, vor der Schlacht von Largs, befand sie sich in den Händen der MacDonalds.
Nachdem die Wikinger Arran nach der verlorenen Schlacht von Largs im Jahr 1263 endgültig an den schottischen König Alexander III. hatten abtreten müssen, integrierte dieser die Insel in das Königreich Schottland und vergab das Land an die Stewarts von Menteith. Die Familie errichtete vielleicht um 1265 auf den Fundamenten des alten Wikingerforts eine erste steinerne Burg. Bei ihr handelte es sich um eine 30 mal 46–48 Meter messende, rechteckige Anlage, die allseitig von einer Ringmauer umgeben war. Zur Landseite im Norden und Nordwesten war sie von einem mindestens 20 Meter breiten Wassergraben geschützt, zur Seeseite hin durch einen steilen Abhang. Innerhalb der Ringmauer stand im Norden ein kräftiger Rundturm mit neuen Meter Durchmesser und ein Saalgeschossbau, der durch einen Treppenturm an seiner Nordostecke erschlossen wurde. Noch im späten 13. oder im frühen 14. Jahrhundert wurde das Burgtor im Westen durch eine vorgelagerte Barbakane oder einen Wachturm mit drei Geschossen verstärkt.
Schottische Unabhängigkeitskriege (1296–1371) und Zerstörung (1455)
Während des ersten schottischen Unabhängigkeitskrieges wurde die Burg von Truppen des englischen Königs Eduards I. eingenommen und besetzt. Sie stand anschließend unter der Verwaltung von Sir John Hastings, den Eduard I. zum Burgvogt ernannte. Im Jahr 1307 gelang es jedoch Anhängern von Robert the Bruce, die Anlage zurückzuerobern. Anlässlich dieser Kämpfe fand Brodick Castle zum ersten Mal schriftlich Erwähnung. Robert verfolgte, um englische Eroberungen zu unterbinden, eine Zerstörung zahlreicher schottischer Burgen; so wurden 1314 Roxburgh, Edinburgh und Stirling zerstört. Er verheiratete seine Tochter Marjorie mit Walter Stewart, 6. High Steward of Scotland. Deren gemeinsamer Sohn Robert erbte die Ansprüche auf Arran und damit auf die Burg von Brodick, als der Menteith-Zweig der Stewarts in männlicher Linie ausstarb. Als Robert 1371 als erstes Mitglied der Stewart-Familie den schottischen Thron bestieg, wurde Brodick Castle damit Eigentum der schottischen Krone. 1351 hatten englische Truppen die Anlage jedoch zerstört. Nach ihrem Wiederaufbau präsentierte sie sich erneut als eine geschlossene Anlage, deren hohe Ringmauer nicht nur steinerne Bauten umschloss, sondern auch diverse Wirtschaftsgebäude aus Holz und Fachwerk wie zum Beispiel Küchen, ein Brauhaus, Scheunen, Ställe und eine Kapelle.
1406 sandte König Heinrich IV. von England eine Flotte, welche die Burg vom Meer aus beschoss und schwer beschädigte. Rund 50 Jahre später nutzte der Clan-Chef der MacDonalds of Dunnyweg, Donald Balloch of Islay, die Abwesenheit des Burgverwalters im Jahr 1455, um Brodick gemeinsam mit seinem Cousin John of Islay, Earl of Ross und , anzugreifen, zu plündern und anschließend fast dem Erdboden gleichzumachen.
Stammsitz der Herzöge von Hamilton
Mary Stewart, eine Tochter Jakobs II., heiratete 1474 in zweiter Ehe James Hamilton, 1. Lord Hamilton. Sie hatte Arran als Mitgift in ihre erste Ehe eingebracht, sodass ihr Sohn James Boyd die Insel beim Tod des Vaters erbte. Als er 1484 ermordet wurde, kamen Arran und Brodick Castle über Mary an James Hamilton, den Erstgeborenen aus ihrer zweiten Ehe. Er wurde 1503 durch seinen Cousin König Jakob IV. für seine Verdienste am Hof zum ernannt. Der frischgebackene hatte zuvor erfolgreich die Heirat des Königs mit Margaret Tudor, der Schwester Heinrichs VIII. von England, verhandelt. James Hamilton baute das Schloss ab etwa 1510 wieder auf, doch schon 1528 wurde es bei einem Aufstand erneut beschädigt, denn die Errichtung des war auf starken lokalen Widerstand gestoßen und gipfelte in jenem Jahr in einer Revolte, bei der Brodick Castle wieder in Mitleidenschaft gezogen wurde. Nach erneutem Wiederaufbau nutzte Jakob V. die Anlage gemeinsam mit Lochranza Castle als Stützpunkt für seine militärischen Unternehmungen, um die rebellischen Lords of the Isles zu bekämpfen und endgültig zu unterwerfen.
mini|Brodick Castle auf einem Stich von Thomas Vivares, 1790
Nach dem Tod Jakobs V. wurde seine Tochter Maria im Alter von nur sechs Tagen zur schottischen Königin gekrönt. Die Regentschaft übte während ihrer Minderjährigkeit der Eigentümer Brodicks, James Hamilton, zweiter , aus. Der englische König Heinrich VIII. wollte eine Heirat seines Sohnes Eduard mit Maria erzwingen und schickte deshalb 4000 Soldaten nach Arran, um dies auf militärischem Weg zu erstreiten. Während des genannten Konflikts griffen seine Truppen unter dem Kommando des , Matthew Stewart, 1544 das Stammschloss des Regenten mit 600 Mann an und belagerten es. Durch Brandschatzung wurde die Anlage erneut stark beschädigt, aber nach Ende des Konflikts 1545 wieder hergerichtet. 1558 beschädigten es englische Truppen, diesmal unter Führung des , Henry Radclyffe. Grund dafür war, dass James Hamilton weiterhin die Heirat seines Mündels hinauszögerte, sodass die englische Königin Elisabeth I. den gleichen Weg wie ihr Vorgänger einschlug und Brodick angreifen sowie die Umgegend verwüsten ließ. 1604 war die Anlage stark heruntergekommen, denn die dort stationierten Offiziere vernachlässigten die angemessene Unterhaltung. Ihr damaliger Eigentümer, James Hamilton, 2. Marquess of Hamilton, wohnte schon geraume Zeit nicht mehr auf dem Schloss, sondern weilte am englischen Hof in London. In seinem Namen ließ James Hamilton, , Brodick Castle wieder herrichten. Durch die vielen Beschädigungen, Reparaturen und Wiederaufbauten sowie die damit einhergehenden Veränderungen am Baubestand war das Aussehen der einstigen Burg beträchtlich verändert worden. Der Saalbau war einem typischen schottischen gewichen, und die Rundtürme hatten ein viereckiges Obergeschoss erhalten.
Während der Religionskriege konkurrierten die Campbells und die Hamiltons um die Anlage, sodass diese in der Zeit von 1639 bis 1651 ganze fünf Mal zwischen diesen beiden Familien als Besitzer hin- und herwechselte. James, dritter , wurde 1643 zum ernannt. Er starb 1649 auf Cromwells Befehl hin auf dem Schafott. Nachdem sein Bruder William kurz nach der Schlacht von Worcester 1651 verstorben war, wurde Brodick im April des folgenden Jahres von Cromwellschen Truppen besetzt. Sie nutzten Brodick Castle anschließend als Garnison und ließen dazu zahlreiche Umbauten vornehmen. Die Barbakane am Ostende ersetzten sie durch eine starke Batterie, wodurch der Haupteingang an die Südseite verlegt werden musste. Das als Unterkunft genutzte wurde nach Süden um zwei Achsen verlängert, wodurch es anschließend fast doppelt so groß war wie zuvor. Derart verändert erhielt die Familie Hamilton ihr Schloss nach Ende der Cromwell-Ära in den späten 1680er Jahren zurück. Eigentümerin war Anne Hamilton, die Tochter des ersten und Nichte des zweiten Herzogs. Sie war die einzige Frau, die jemals aus eigenem Recht Herzogin von Hamilton wurde. Sie hatte 1660 William Douglas, , geheiratet, der bei der Eheschließung zum dritten Herzog von Hamilton ernannt worden war. Die Philanthropin Anne war sehr wohltätig und ließ zahlreiche Verbesserungen auf der Insel Arran vornehmen. Die Insulaner gaben ihr deshalb den Beinamen „die gute Herzogin“ (). Zu Beginn des 18. Jahrhunderts ließ sie Brodick Castle noch einmal umfassend instand setzen. Das Schloss war nicht nur Mittelpunkt der Verwaltung, sondern diente zugleich als vorübergehender Wohnsitz.
Erweiterung mini|Brodick Castle nach der Erweiterung in den 1840er Jahren