Die Burg Altena (auch Burg Altona oder Haus Altena) war eine spätmittelalterliche Stadtburg in Schüttorf im Landkreis Grafschaft Bentheim in Niedersachsen. Aufgrund ihrer architektonischen Verbindung von gotischen Elementen und der Weserrenaissance gilt die Burg in der regionalen Forschung als bedeutendes Beispiel der Profanarchitektur des 16. Jahrhunderts. Der älteste Teil der Anlage, der sogenannte Palas, entstand vermutlich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Die erste urkundliche Erwähnung der Anlage datiert auf das Jahr 1372. Die Burg war als südöstlicher Eckpfeiler in die Stadtmauer Schüttorfs integriert und unterschied sich dadurch grundlegend von freistehenden Adelssitzen wie der auf einem exponierten Höhenrücken gelegenen Burg Bentheim, dem Hauptsitz der Grafen von Bentheim.

Ab dem 15. Jahrhundert diente die Burg vorwiegend als Wittum der Witwen der Grafen von Bentheim – eine Funktion, die sie über drei Jahrhunderte prägte. Die bedeutendste Bauherrin dieser Zeit war Grafenwitwe Anna von Tecklenburg-Schwerin, welche die Anlage um 1565 durch Nord- und Westflügel zur vierflügeligen Burg erweitern ließ. Die Giebelgestaltung dieser Flügel zählt zu den charakteristischen Zierformen der Weserrenaissance im norddeutschen Raum. Nach dem Tod von Arnold II. im Jahr 1606 erließ dessen Witwe Magdalena von Neuenahr-Alpen eine umfassende Hofordnung, die einen seltenen Einblick in den Alltag eines frühneuzeitlichen Adelshaushalts bietet.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Burg beschossen und teilweise schwer beschädigt. Palas und Südflügel verfielen in den folgenden Jahrzehnten, während Nord- und Westflügel ab 1702 für katholische Gottesdienste und ab 1712 für schulische Zwecke genutzt wurden. 1903 erwarb der Fabrikant Herman ten Wolde die Anlage, ließ die Palasruine sprengen und die erhaltenen Flügel zu Wohnzwecken umbauen. Am 8. Januar 1973 begann der Abriss der gesamten Burg für den Bau einer Durchgangsstraße.

Der Verlust gilt in der Forschung als exemplarisch für den Umgang mit historischer Bausubstanz in der Nachkriegszeit, als verkehrsplanerische Interessen dem Denkmalschutz regelmäßig vorgingen. Trotz des Abrisses ist die Burg durch eine vergleichsweise dichte bildliche und schriftliche Überlieferung dokumentiert: Zeichnungen und Gemälde niederländischer Künstler des 19. Jahrhunderts sowie eine fotografische Dokumentation unmittelbar vor der Sprengung des Palas 1903 ermöglichen eine weitgehende Rekonstruktion der Anlage. Seit dem 27. August 1988 erinnert auf dem Burg-Altena-Platz in Schüttorf eine Plastik des Künstlers Werner Ratering an den ehemaligen Standort und das mittelalterliche Asylrecht der Burg.

Lage Die Burg Altena bildete im Südosten den Eckpunkt der Stadtmauer.Ansicht der Stadt Schüttorf von Westen aus der Vogelperspektive (vermutlich 18. Jhd.) Sie lag nahe der Mühlenvechte, dem heutigen Vechtealtarm. Die Vechte wurde damals zum Schutz näher an die Stadt geleitet und versorgte den Stadtgraben. Ein großer Teil dieses Altarmes besteht noch heute.

Heute erinnert an der Stelle der ehemaligen Burg der Burg-Altena-Platz. Die Trasse der Landesstraße 39 (ehemals Bundesstraße 65), für deren Bau die Burg 1973 abgerissen wurde, verläuft unmittelbar durch das frühere Burgareal.

Name und Bezeichnung Wie der Name Altena oder Altona entstand, ist unklar. Es wird vermutet, dass es im 7. Jahrhundert einen fränkischen Schutzhof an der Stelle der Burg Altena gab, der dem sächsischen Alten Hof nicht all te na lag. Eine Möglichkeit, um den Namen zu deuten, wäre Al to na, also allzu nah. 1465 wurde die Burg Altena bei der Bestätigung der Stadtrechte von Graf Bernhard als unse borg bezeichnet, danach wurde sie Borch Schüttorp oder Borch bynnen der Stadt Schüttorp genannt. Um 1565 setzte sich der Name Altena bzw. Altona durch, eine mögliche Deutung wäre hier erneut all te na. Die Burg des Grafen war in die Stadtbefestigung integriert und den Schüttorfer Bürgern allzu nah. In seinem Testament bezeichnet Graf Arnold II. 1591 die Burg als Haus Altona. Joseph Niesert schrieb 1835 Schloß Altena oder Alten Aue bey Schüttorf der Bentheimschen Witwen. Der hier genannte Alternativname legt nahe, dass die Burg eventuell als an der Alten Aue (d. h. einer Flussniederung) oder der Alten Aa (d. h. einem Flusslauf) gelegen bezeichnet wurde, was den topografischen Gegebenheiten des Standorts entspricht. In der folgenden Zeit blieb der Name Burg Altena bzw. Burg Altona.

Geschichte Vorgeschichte (vor dem 14. Jahrhundert) Die Anfänge der Burgstelle sind in der Forschung Gegenstand von Diskussionen, da archäologische und urkundliche Belege für die Zeit vor dem Hochmittelalter fehlen. Heimatforscher Heinrich Funke postuliert, dass der Standort bereits im 7. Jahrhundert als fränkischer Schutzhof zur Kontrolle einer strategisch bedeutsamen Furt an der Vechte diente und sich aus diesem später der gräfliche Hof bzw. die Burg entwickelte. Diese These stützt sich primär auf die topografische Lage des Areals, bleibt jedoch mangels direkter Quellenzeugnisse eine Hypothese.

Ob an diesem Standort auch die älteste Gerichtsstätte des Bezirks lag, ist in der Forschung umstritten. Helmut Hecht hält dies für wahrscheinlich und verweist auf eine Urkunde von 1184, die eine curia comitis in Scuttorpe, einen gräflichen Hof, erwähnt, sowie auf eine Urkunde Graf Egberts von Bentheim aus dem Jahr 1272, die ein uns gehörendes Gericht in Schüttorf nennt. Heinrich Voort widerspricht dieser Einschätzung: Der in Urkunden von 1154 und 1184 genannte gräfliche Hof, 1388 als olde Hof bezeichnet, habe außerhalb der Stadt gelegen und könne daher nicht mit der späteren Burg Altena gleichgesetzt werden. Eine abschließende Klärung dieser Frage ist mangels weiterer Quellen nicht möglich. Nach dem Bau der Burg Bentheim übernahm die Burg Altena mehrere zentrale Funktionen für die Grafschaft Bentheim: Sie war Oberhof, Jagdhaus, Sitz der Verwaltung und Landesburg.

Bau und Nutzung als Witwensitz (14.–17. Jahrhundert) Entstehung und erste Erwähnung Der Palas, der älteste Teil der Burganlage, wurde vermutlich in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts nach rheinischem Vorbild errichtet und bildete als südöstlicher Eckpfeiler einen Bestandteil der zweiten Stadtbefestigung. Der gräfliche Hof zog damit vom außerhalb der Stadt gelegenen Alten Hof in die Stadtburg. Die erste urkundliche Erwähnung der Anlage stammt aus dem Jahr 1372: In einem Schuldschein schreiben die Knappen Vrederik van Hauergho und Bernt de ghogreue, die Zahlung solle „tho Scüttorpe bynnen den Slote“ – also innerhalb des Schlosses zu Schüttorf – erfolgen.

Die Burg genoss besondere Rechtsprivilegien: Bis zur Reformation wurde Verfolgten für ein Jahr und einen Tag Asyl gewährt. Nach Ablauf dieser Frist musste der Schutzsuchende die Burg verlassen; zeigte er sich auf öffentlicher Straße, konnte er erneut Schutz beantragen. Das Stadtrecht von Schüttorf hält dies ausdrücklich fest:

Das Zitat besagt sinngemäß, dass der Platz vor der Burg und die Mühle als alte Freistätten gelten: Wer sie aufsucht und nutzen will, ist – welche Tat er auch begangen habe – für ein Jahr und einen Tag an Leib und Leben unantastbar.

Die Burg als Witwensitz Vom 15. Jahrhundert an diente Burg Altena vorwiegend als Wittum (d. h. als vertraglich gesicherter Witwenunterhalt in Form von Gütern) der Witwen der Grafen von Bentheim. 1416 wurde sie Mechthild von Steinfurt verschrieben; ob sie die Burg tatsächlich bewohnte, ist unklar, da sie bereits 1420 starb. Im Ehevertrag von 1435 überschrieb Graf Everwin seiner zweiten Frau Gisberta von Bronkhorst „de Borch to Scttorpe“ als Wittum. Zu dieser Zeit waren die Bewohner der Burg sowie die gräflichen Bediensteten von Bürgerpflichten befreit. Margarethe von Wied-Runkel wurde die Burg 1518, bekräftigt 1523, von Graf Bernhard als Leibzucht vermacht, sie wurde jedoch 1528 abgefunden. Im folgenden Jahr sicherte Graf Everwin II. die Burg seiner zweiten Frau Cordula von Holstein-Schaumburg zu, sie wohnte aber wahrscheinlich nicht auf Burg Altena.

Die prägende Figur des 16. Jahrhunderts war die Grafenwitwe Anna von Tecklenburg-Schwerin, der die Burg bei ihrer Heirat mit Graf Eberwin III. von Bentheim-Steinfurt 1553 verschrieben worden war. Nach dem Tod ihres Mannes 1562 regierte sie von Burg Altena aus, da ihr Sohn Arnold II. (IV.) von Bentheim-Tecklenburg noch minderjährig war. 1565 ließ sie Nord- und Westflügel errichten, die der Burg ihre vierflügelige Gestalt gaben. Außerdem erwarb sie durch Tausch mit dem Süsternkloster das Gelände nördlich der Burg und ließ es zu einer symmetrisch angelegten Gartenanlage umgestalten. Die Giebelgestaltung beider Flügel weist auf den Einfluss der Weserrenaissance hin (siehe Baubeschreibung).

Da Burg Altena im Jahr 1573 noch das Wittum von Anna von Tecklenburg-Schwerin war, verschrieb Graf Arnold II. bei der Eheschließung seiner Frau Magdalena von Neuenahr-Alpen andere Besitztümer wie das Haus Singraven, einen herrschaftlichen Landsitz im benachbarten niederländischen Denekamp. Er übernahm Burg Altena nach dem Tod von Anna von Tecklenburg-Schwerin im Jahr 1582. Aus der Lebensbeschreibung von Graf Arnold II. geht hervor, dass er in den Jahren 1587 und 1594 „zu Schüttorff aufm hauß Althena“ spanische Offiziere aus Twente zu Gast hatte und diese „schenkfreudig“ bediente, um einem Überfall auf die Stadt vorzubeugen. In seinem 1591 verfassten Testament vermachte er seiner Frau Burg Altena anstelle des Hauses Singraven.

Die Hofordnung von 1606 mini|Titelseite der Hofordnung von 1606Nach dem Tod Graf Arnolds II. im Jahr 1606 zog dessen Witwe Magdalena von Neuenahr-Alpen auf die Burg. Bereits am 19. November 1606 erließ sie eine umfassende Hofordnung („Damitt einn Jeder Wissenn möge, weßen er sich zu verhaltenn“), die bis heute erhalten ist und einen seltenen Einblick in den Alltag eines frühneuzeitlichen Adelshaushalts bietet.

Die Ordnung regelte das Leben von rund 40 Beschäftigten: Der Rentmeister, der für die Finanzverwaltung und die Güterverwaltung der Grafschaft zuständige Beamte, trug die Verantwortung für Hofhaltung, Küche, Keller, Ställe, Bauhaus, Pforte und Gesinde. Ihm wurde zudem aufgetragen, die Bediensteten zur Arbeit anzuleiten, und er war befugt, ihnen Strafen aufzuerlegen. In der Küche arbeiteten ein Mundkoch (der persönliche Koch für die gräfliche Tafel), ein Hauskoch, zwei Jungen und eine Küchenfrau. Magdalena regelte auch die Mahlzeiten der Hofhaltung. Für den geistlichen Alltag war der Hofprediger zuständig: Er sollte jeden Abend um vier Uhr aus dem Neuen Testament vorlesen und das Abendgebet sprechen; beim Morgenessen waren Morgengebet, Vaterunser, Zehn Gebote und Glaubensbekenntnis vorgesehen.

Magdalenas Sohn Graf Arnold Jobst zu Bentheim und Steinfurt heiratete 1608 Anna Amalia von Isenburg-Büdingen; da Burg Altena 1608 noch Witwensitz seiner Mutter war, verschrieb er seiner Frau ein anderes Wittum. Magdalena von Neuenahr-Alpen starb 1627 auf der Burg; ein nach ihrem Tod erstelltes Inventarverzeichnis zählte 46 Räume.

Die Hofordnung von 1606 markierte den Höhepunkt der Nutzung von Burg Altena als repräsentativer Witwensitz.

Dreißigjähriger Krieg und zunehmender Verfall Das in der Hofordnung beschriebene fragile Gleichgewicht aus herrschaftlicher Hofhaltung und lokaler Verwaltung wurde jedoch durch die einsetzenden militärischen Auseinandersetzungen des Dreißigjährigen Krieges beendet, die den wirtschaftlichen Wohlstand der Grafschaft und damit die Funktionsfähigkeit der Burg fundamental untergruben. 1632 wurde die Burg von außerhalb der Stadt gelegenen Sandhügeln beschossen. Der Südflügel und der älteste Teil, der Palas, wurden dabei schwer beschädigt und verfielen in den nachfolgenden Jahrzehnten zusehends.