Corps Borussia Breslau 200px|zentriert|Wappen Land Nordrhein-Westfalen Hochschule RWTH Aachen; Universität zu Köln Stiftung 23. November 1819 in Breslau SC (ehedem) Senioren-Convent zu Breslau Beitritt zum KSCV Deputiertenversammlung in Jena, 28. Mai 1855 Suspension 13. Oktober 1935 Rekonstitution 21. April 1951 in Münster SC zu Köln 9. Oktober 1951 Band Zirkel    40px Wahlspruch Virtuti semper corona! Korporationsverband Kösener SC-Verband Anschrift Nizzaallee 5652072 Aachen Website borussiabreslau.de

Das Corps Borussia Breslau zu Köln und Aachen ist eine farbentragende pflichtschlagende Studentenverbindung. Das Corps ist Teil des Kösener Senioren-Convents-Verbandes (KSCV) und vereinigt Studenten und Alumni der RWTH Aachen und Universität zu Köln auf Lebenszeit. Die Mitglieder bezeichnen sich untereinander als Corpsbrüder. Sie werden als Breslauer Preußen oder auch Autopreußen bezeichnet.

Bund Das Corps Borussia Breslau zu Köln und Aachen besteht aus der gleichnamigen Studentenverbindung, in der die studierenden Corpsbrüder als Aktivitas der Aktiven und Inaktiven organisiert sind, und aus den nicht mehr studierenden Alumni, den sogenannten Alten Herren. Borussia Breslau gehört dem Kösener Senioren-Convents-Verband (KSCV) an mit seinen für die Kösener Corps verbindlichen Statuten des Kösener SC-Verbandes, den so genannten Kösener Statuten – beginnend 1848 und immer wieder den gesellschaftlichen und studentischen Zeitströmungen angepasst. Die Kösener Statuten schließen ein Allgemeinpolitisches Mandat aus, verbindlich für jedes Corps mit seiner Aktivitas und seinen Alten Herren. Borussia Breslau gehört dem Grünen Kreis der Kösener Corps an.

Das Corps Borussia Breslau ist pflichtschlagend. Die Mensur besteht aus Fechtgang und Mensurkritik. Das Corps hat etwa 200 Mitglieder, davon etwa 40 Studenten (vor allem in Aachen) und etwa 160 Alumni im In- und Ausland.am 1. August 2014: 39 Studenten + 167 Alumni = 206 Mitglieder. Borussia Breslau war und ist ein Corps vorrangig von Selbstständigen sowie Eigentümern und Mitarbeitern mittelständischer Unternehmen. Die Corpsgemeinschaft unterstützt ihre Jugend, damit diese den Übergang in die Berufswelt relativ konfliktfrei leisten kann.Detlef Grieswelle: Zur Soziologie der Kösener Corps 1870–1914 in Christian Helfer; Muhammed Rassem (Hrsg.): Student und Hochschule im 19. Jahrhundert (=Studien zum Wandel von Gesellschaft und Bildung im neunzehnten Jahrhundert) Band 12, Göttingen 1975, S. 362 und 365.

Borussia Breslau wurde am 23. November 1819Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig, 1924/25, S. 28. in Breslau gestiftet und bestand dort als Studentenverbindung bis 1935 an der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Breslau und an der Königlichen Technischen Hochschule Breslau, ab 1918 Technischen Hochschule.Heinrich Bonnenberg, Hermann Sternagel-Haase, Alfred Methner, Georg Lustig: Geschichte des Corps Borussia zu Breslau, Die ersten 100 Jahre 1819–1919, Zweite überarbeitete und erweiterte Auflage, Aachen/Köln 1984.Seit 1951 ist das Corps an der Universität zu Köln und der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen akkreditiert.Hermann Sternagel-Haase: Geschichte des Corps Borussia zu Breslau, Band II: 1919–1951. Köln/Aachen 1987. Obwohl das Corps seinen Corpsbetrieb seit 2004 allein auf Aachen konzentriert, firmiert es weiterhin unter Borussia Breslau zu Köln und Aachen. Es gehört bis heute dem SC zu Köln und dem dortigen Mensuren-Senioren-Convent MSC an. Zusätzlich ist es in Bonn dem Consenioren-Convent CSC für Mensuren des Kösener SC zu Bonn beigeordnet. Geistig-sittlich führt sich Borussia Breslau auf das Schlesische Studentenkränzchen an der Brandenburgischen Universität Frankfurt zurück, das am 12. April 1787 gegründet die älteste bekannte Vorläuferverbindung des Corps Borussia Breslau ist. Bis zum Ende der 1880er Jahre haben sich in den akademischen Verbindungen, so auch in den Corps, Grundstrukturen des Zusammenseins von Jugend und Alter herausgebildet, die seitdem unverändert bestehen, wenngleich mit zeitbedingten Verschiebungen der Wichtigkeit der Generationen.Jürgen Herrlein, Zur „Arierfrage“ in Studentenverbindungen, Nomos, 2015, S. 44. Von 1819 bis 2014 zählt Borussia Breslau etwa 1.200 Corpsbrüder.Kurt Härtel, Hermann Sternagel-Haase, Klaus Schimmelpfennig: Verzeichnis der Mitglieder des Corps Borussia Breslau mit kleiner Chronik 1819–2013. Bochum, 2013.

Couleur Borussia Breslau ist farbentragend. Das Couleur der Verbindung ist Schwarz-blassrot-weiß auf Silberperkussion. Schwarz und Weiß sind die Landesfarben Preußens, Rot ist die Farbe der Schärpe des Schlesischen Kränzchens in Frankfurt (Oder). Die Couleur wird im Corpsband, in der Corpsmütze und im Corpstönnchen getragen. Die Neumitglieder, Füchse genannt, tragen ein schwarz-weiß-schwarzes Band mit Silberperkussion.

Wappen mini|Borussia-Marsch, 1904

Die Entwicklung des Wappens der Borussia Breslau ist unter Weblinks im anliegenden AlbumBilder in Commons. zu sehen.Das Wappen von 1819 macht die Prägung des Corps durch den Deutschen Idealismus deutlich.Wappenteile aus dem Gedicht An die Freude von Friedrich Schiller achte Strophe: Festen Mut in schwerem Leiden (Im Wappen: VIRTUS), Hülfe, wo die Unschuld weint, Ewigkeit geschwornen Eiden (Im Wappen: EGE), Wahrheit gegen Freund und Feind (Im Wappen: VERITAS), Männerstolz vor Königsthronen, – Brüder, gält’ es Gut und Blut – Dem Verdienste seine Kronen (Wahlspruch: VIRTUTI SEMPER CORONA), Untergang der Lügenbrut! Borussia Breslau hat zwei Wappensprüche. Einer lautet: Unsern Bund trennt nur der Tod,im Wappen als U B T N D TBeiträge zur Geschichte der Breslauer Burschenschaft auf der Seite 292 das Wappen der Teutonia 1818. ein schon bei den Studentenorden Ende des 18. Jahrhunderts übliches Treuegelöbnis, das auch beim Schlesischen Kränzchen in Frankfurt an der Oder vorkommt. Der zweite Wappenspruch lautet: Vivant omnes fideles fratres intimo fordere iuncti.Deutsch: Hoch leben mögen alle treuen Brüder, die durch ein inniges Band verbunden sind. Der Wahlspruch geht ebenfalls auf die Studentenorden und Kränzchen zurück, allerdings ohne die Wörter omnes fideles, die nach den Jahren der politischen Verfolgung, den 1820er und 1830er Jahren der Restauration, hinzukamen, in Erinnerung an alle Corpsbrüder, die treu zueinander und zu ihrem Bund gestanden haben.

Wahlspruch Der Wahlspruch der Borussia Breslau lautet Virtuti semper corona!häufig nur als v s c vermerkt Er ist schon beim Schlesischen Kränzchen in Frankfurt an der Oder um die Wende des 18. zum 19. Jahrhundert üblich und führt sich zurück auf die 7. Zeile der 8. Strophe von Friedrich Schillers Ode An die Freude.

Zirkel Der Zirkel der Borussia Breslau, seit 1860 in seiner heutigen Form, zeigt das B für Borussia, eingebunden in die Buchstaben v für vivat, c für crescat und f für floreat.zu deutsch: lebe, wachse und blühe

Marsch Der Marsch der BorussiaCorps Borussia Breslau zu Köln und Aachen: Mp3-Fassung des Marschs, abgerufen am 3. Januar 2017. wurde 1904 anlässlich des 85. Stiftungsfestes der Borussia zu Breslau komponiert vom damals 26-jährigen Breslauer Preußen Fritz Barchewitz (1878–1945), Pianist und Kapellmeister.Heinrich Bonnenberg et al., Festmarsch, dem Corps Borussia zu Breslau zugeeignet von Dr. Fritz Barchewitz 1904, Nachdruck 2014.

Mitgliedschaft mini|Erinnerungstafel der Stadt Wrocław am ehemaligen Corpshaus in Breslau (Schreibfehler: 1819 statt 1829)

Zweck und Idee des Corps Borussia Breslau sind in seiner Constitution wie folgt festgehalten:

Die jungen Studenten, die Aktiven, gestalten das laufende Semester. Die älteren Studenten, die Inaktiven, dienen den Aktiven als Ratgeber. Das Fechten der Bestimmungsmensuren erfolgte bis 1935 in Breslau mit Glockenschläger und geschieht ab 1951 in Köln mit Korbschläger. Die Corpsbrüder sind in Freundschaft auf Lebenszeit verbunden, nach dem Studium als Alte Herren. Jeder männliche Student an einer Hochschule, die akademische Grade verleiht oder Offiziere ausbildet, kann Mitglied bei Borussia Breslau werden, wenn er bereit ist, die Konstitution des Corps Borussia Breslau zu Köln und Aachen zu respektieren. Über seine Aufnahme entscheiden die Corpsburschen nach Rücksprache mit dem Corpspräsidium.Siehe unten unter Kapitel „Seit 1954“ dritter Absatz.

Geschichte mini|Kränzianer in Frankfurt, in der Mitte der Schlesische Kränzianer, ein „Vorfahre“ der Corps Borussia Breslau und Silesia Breslau (1803/04)

1786–1819

Die älteste bekannte Vorläuferverbindung der Borussia Breslau ist das Studentenkränzchen an der Alma Mater Viadrina zu Frankfurt (Oder). Geprägt durch den Deutschen Idealismus, wurde dieses Urkränzchen am 3. Juli 1786 zu Lebzeiten Friedrichs des Großen von einigen Mitgliedern der freimaurerischen Studentenorden gegründet.Günter Bäro: Festkommers zur Stiftung des Frankfurter Kränzchen vor 225 Jahren, Berliner Märker, Breslauer Preußen und Schlesier trafen sich in Frankfurt (Oder). Deutsche Corpszeitung CORPS, Ausgabe 4/2011, S. 21. Aus dem Urkränzchen ging das Schlesische Kränzchen hervor, das vom 12. April 1787 bis zum 10. August 1811 bestand. Eintragungen auf Studentenpfeifen und in studentischen Stammbüchern weisen die Kette der Studenten vom Schlesischen Kränzchen bis zum späteren Corps Borussia Breslau nach. Diese Verwandtschaft wird obendrein deutlich durch den von beiden getragenen Wahlspruch „virtuti semper corona“.

Nach dem Frieden von Tilsit wurde 1810 die Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin gegründet. Die protestantische Alma Mater Viadrina in Frankfurt, gestiftet am 27. April 1506, wurde dadurch überflüssig. Sie wurde am 3. August 1811 mit der katholischen Breslauer Universität Leopoldina, gestiftet am 21. Oktober 1702, zur staatlichen Universitas litterarum Wratislaviensis in der preußischen Provinz Schlesien zusammengelegt. Die Kränzianer des Schlesischen Kränzchens aus Frankfurt zogen oderaufwärts nach Breslau und gründeten dort eine Landsmannschaft Silesia, die vom 11. November 1811 bis 15. Mai 1813 bestand. Die Silesia hatte einige Nachfolgeverbindungen, zuletzt eine Landsmannschaft Teutonia, aus der das Corps Borussia zu Breslau hervorging.Beiträge zur Geschichte der Breslauer Burschenschaft. S. 156 f., 197, 292 ff. in Schlesische Provinzialblätter erschienen 1867.

mini|Breslauer Preußen durchreiten das Kaisertor der Schlesischen Friedrich-Wilhelms-Universität.(Gustav Adolf Closs, 1911)

1819–1933

Das Corps Borussia Breslau wurde am 23. November 1819 von 13 ehemaligen Burschen der tags zuvor aufgelösten Landsmannschaft Teutonia und einigen sonstigen Studenten in Breslau gestiftet.Borussia übernahm dabei die Farben Schwarz-rot-weiß der Teutonia sowie deren Wahlspruch „virtuti semper corona“ und deren Wappensprüche.Innerhalb der Borussia gab es eine Fraktion Silesia, die auch schon bei der Teutonia bestanden hatte. Diese stiftete am 24. Mai 1821 das Corps Silesia zu Breslau.Mit dem Corps Silesia gründete Borussia 1829 (später gezwungenermaßen aufgelöst) und endgültig 1838 den Senioren-Convent zu Breslau (KSCV), der sich im Gründungsjahr des KSCV 1848 dem Verband anschloss.Gustav Gotthilf Winkel; Kösener SC.-Kalender. Taschenbuch für den Kösener Corpsstudenten, 28. Ausgabe, Leipzig 1925, S. 10.Als Gründe für die Stiftung der Borussia Breslau sagt die Konstitution der Borussia von 1819: „Es ist nötig, das edle Gut der akademischen Freiheit zu bewahren und zu verdienen“ und „Es folgt das Bedürfnis, das Regeln festgesetzt werden, durch deren Inhalt und eifrige Befolgung die akademischen Bürger ihrer akademischen Freiheit wert bleiben“.Die Constitution der Borussia von 1819, Constitutionen der Corps III, EINST UND JETZT, Sonderheft 1988, S. 17.