mini|Korowai-Mann Die Korowai (Eigenbezeichnung Kolufo, auch Kuruwai, Kolofaup) sind ein melanesisches indigenes VolkVölker von Papua von Waldnomaden in der Provinz Papua Selatan im indonesischen, südöstlichen Teil West-Papuas (indonesisch: Irian Jaya) der Insel Neuguinea.

Siedlungsgebiet mini|Neuguinea: Merauke im Süden von Westneuguinea Territorium und Stammesnachbarn Die Korowai leben in östlicher Nachbarschaft zum Volksstamm der Asmat, nördlich des Dairam-Kabur-Flusses in der Provinz Merauke und im Norden begrenzt durch das Fußgebirge Kopkaka (Maokegebirge).Korowai (Ziffer 220)

Detaillierter betrachtet wird das Siedlungsgebiet westlich durch den Fluss Pulau (früher niederländisch Eilandenrivier, Korowai-Sprache Bafe) und südöstlich durch den Becking (Korowai-Sprache Nailop) begrenzt, bei Überschreiten desselben im nordöstlichen Teil. Im Osten grenzen die westlichen Quellarme des Digul-Flusses den Lebensraum der Korowai ab. Das unmittelbar östlich anschließende Stammesgebiet verteilt sich auf in die Nachbarschaften zu den Asmat-Stammesgruppen der Yupmakcain im Südosten und der Bras im Nordosten. Diese Asmat-Volksgruppen gehören ebenfalls zu den am wenigsten erforschten Stämmen Neuguineas.

Westliche Nachbarn der Korowai sind die Ulakhin. Im Norden und Nordosten leben die Sait und Tsawkwambo. Im Südwesten die Wanggom und im Süden schließlich die Kombai. Es werden knapp fünfzig verschiedene Korowai-Clans unterschieden.Gerrit J. Van Enk & Lourens de Vries: Maps 1,2+3 / Seite xii, xiii, xiv

Die Clans dominieren letél abül oder khén mengg(a) abül („starke“ oder „furchtlose Menschen“). Ihre Legitimation beziehen die Männer zumeist aus dem Erbrecht.

Siedlungen In der autochthonen Kultur der Korowai ist das völlige Fehlen von dorfähnlichen Siedlungen auffällig. Vielmehr leben noch traditionell lebende Familien-Clans in festgelegten und markierten Territorien auf Baumhäusern, die größere Marsch-Entfernungen auseinander liegen. Dörfer wie Yaniruma,Paul Raffaele: Sleeping with Cannibals. In: Smithsonian. September 2006, S. 1 ff. Mabul am Siriat, Baigon oder Yafufla sind keine indigenen Habitate der Korowai, sondern ab 1980 von holländischen Missionaren errichtete Ansiedlungen, die an den Flüssen Becking und Pulau lebenden Korowai als Unterkünfte dienen sollen. Sie bestehen zumeist aus kleinen Kirchen und bescheidenen Wohnhäusern. In Yaniruma hatten die Missionare bereits sehr früh eine Landepiste für Missionsflugzeuge und Helikopter angelegt und eine Schule errichtet. Dörfer wie Wayal und Nanagaton liegen auf dem Gebiet der sogenannten Steinkorowai (indonesisch Korowai Batu oder Korowai-Sprache iliokolufo bzw. Ilol Kolufo aup), die östlich der Pacification Line leben und nochmals deutlich unbekannter und unerforschter sind als ihre westlichen Nachbarn. Den Begriff der Pacification Line prägte der holländische Priester und Missionar Gerrit van Enk, der eine imaginäre Grenze zwischen gerade noch zugänglichen und vollständig unzugänglichen Gebieten der Korowai zog. Gleichwohl muss der Begriff in der Zwischenzeit auf Grund der weit fortgeschrittenen Missionierung und dem damit verbundenen Verlust der indigenen Kultur der Korowai als überholt angesehen werden.

Kultur Lebensweise und Ernährung Ein Teil des kleinen Volks der Korowai, das nach der letzten Volkszählung zumindest aus 2868 erfassten Menschen bestand, lebt so, wie seine Vorfahren vor vielen tausend Jahren schon gelebt haben. Infolge der Isolation von der Außenwelt ist die materielle Kultur von noch einigen traditionell lebenden Korowai in der Steinzeit verwurzelt. Kenntnis von den Korowai erlangte die Weltöffentlichkeit etwa Anfang der 1980er-Jahre. Ein Großteil der Korowai gilt aufgrund des schwer zugänglichen Siedlungsgebietes weiterhin als unkontaktiert. Dies hängt vor allem damit zusammen, dass auf deren Territorium keine Bodenschätze vorhanden sind, sodass ökonomische Interessen an deren Gebiet entfallen.

Zwar leben viele Korowai noch sehr isoliert, jedoch perfekt angepasst an ihren natürlichen Lebensraum. Bis heute legt sich der größte zusammenhängende Urwald der Erde über ihr Stammesgebiet. Dieser bildet eine natürliche Barriere für ihre Erreichbarkeit. Deutlich radikaler als die benachbarten, im Bergland lebenden Dani sind die Korowai in ihrer traditionellen Lebensweise verhaftet. Bis vor kurzem waren sowohl Eisen als auch andere Metalle weitgehend unbekannt, ebenso daraus gefertigte Werkstoffe und Nutzgegenstände. Töpferei und Schrift zur Verständigung sind dem noch vollständig isolierten Teil der Korowai fremd.

Die traditionelle Lebensweise kommt insbesondere in ihren Wohnbehausungen zum Ausdruck. Die Menschen leben in bis zu 50 Meter hoch gelegenen Baumhäusern, die sie perfekt gegen ihre lebensbedrohliche Umwelt abschirmen, so Fehden, Nachbarschaftskriege und Parasitenplagen.Irian Jaya - "Zurück in die Steinzeit".Papua - Tribe Expedition - back to Stone Age. Aufgrund täglicher Übung erklimmt ein Korowai-Mann mit Leichtigkeit und ohne jegliches Hilfsmittel einen astlosen Urwaldriesen, um dort nach Nahrungsmitteln zu suchen; hierzu zählen Vogelnester, Baumratten, essbare Pflanzen und Pilze sowie die Larven des Kapricorn-Rüsselkäfers.

Bis heute gehen noch einige Männer mit Pfeil und Bogen auf die Jagd. Die Jagd ist den Männern vorbehalten. Sie bauen im Regenwald Fallgruben, um Wild zu fangen. Erjagtes Krokodilfleisch zu verzehren ist lediglich den Männern gestattet. Wildschweine, Kasuare, Schlangen, Spinnen, Vögel, Frösche und kleine Beuteltiere gehören zur selbstverständlichen Ernährung ebenso wie Palmblätter, Farnspitzen, Brot- und Pandanusfrüchte. Im Rahmen des Wanderfeldbaus kultivieren die Korowai Yams, Süßkartoffeln und Bananen. Existenziell wichtiges Nahrungsmittel ist Sago (kho). Um im europäischen Markt als Verdickungsmittel bekanntes Sago zu gewinnen, werden die Palmen (Metroxylon sagu) gefällt, deren Stämme mit Steinäxten geöffnet und diese bis auf das Mark ausgeweidet. Die Frauen waschen die Extrakte anschließend und gewinnen so das reine Sago. Auf: papua-explorer.de Das recht stärkehaltige Sago wird in Bananenblätter gewickelt und gebacken. Der papuanische Name Sago bedeutet Brot, denn die Stärke der Sagopalme liefert außerdem das Mehl für Teigwaren wie Fladen. Die umherkrabbelnden Sagolarven der Rüsselkäfer werden ebenfalls verspeist. Die Korowai leben wie alle Wanderfeldbauern mit stark ausgeprägter Jagd- und Sammelorientierung von einer aneignenden Wirtschaftsform (Subsistenzwirtschaft).Die Korowai und Asmat im Tiefland. Auf: freewestpapua.de, 30. November 2008.

Steinäxte, Knochenmesser und Grabstöcke sind unverzichtbare Gegenstände des täglichen Lebens. Gleichwohl finden sich vereinzelt luxuriöse Attribute wie Schmuckutensilien. So stecken sich Korowai-Frauen die Schwingenknochen des Flughundes durch die Nasenspitze. Weiterhin basteln sie Ketten aus Kaurischnecken und Hundezähnen. Männer tragen Nasenstäbe, Ketten aus Schweinezähnen sowie Rattanreifen-Schmuck. Letzteren wickeln sie sich um die Hüften. Bekleidungsgegenstände sind rar. Die Frauen verwenden nur einen aus Sagofasern gedrehten Rock und die Männer tragen aus der Tradition heraus als Schambedeckung teilweise noch ein um den Penis gewickeltes Blatt. In manchen Gruppen fallen anstelle des Blattes Nussschalenhälften auf. Das bei den Dani und Asmat verbreitete Penisfutteral (Koteka) findet bei den Korowai keinen Einsatz. Frauen verlassen ihr Baumhaus nicht ohne Noken (Tragenetze), Männer nicht ohne Pfeil und Bogen. Das Aufeinanderprallen der industrialisierten Welt mit den traditionellen Riten zeigt sich heute an dem Gebrauch von Batterien, deren Säure auf die Haut aufgebracht wird, um verzierende Narben entstehen zu lassen. Dem Saft der Batterien werden magische Kräfte zugesprochen.

In den Baumhäusern leben Familiengruppen von bis zu acht Personen. Sie leben in Refugien innerhalb ihrer Baumhäuser strikt geschlechtergetrennt.Die Korowai. Auf: korowai.com Wird eine Gruppe zu groß, teilt sie sich.

Ähnlich wie die in Papua-Neuguinea am Sepik beheimateten Iatmul besteht das Siedlungsgebiet der Korowai überwiegend aus Sumpflandschaft. Bis heute gibt es innerhalb des Territoriums keine staatlichen Ordnungskräfte; vielmehr gelten noch immer angestammte Regeln traditioneller Rechtsprechung. Nichtsdestotrotz besitzt der Staat Papua-Neuguineas über die Region der Korowai Herrschaftsgewalt. So leben beispielsweise heutzutage viele Korowai in vom Staat eingerichteten Camps.

Architektur der Baumhäuser miniatur|Korowai-Baumhaus mini|Bewohner im Eingangsbereich Bis heute leben einige Korowai in Bäumen (daher gelegentlich als Baummenschen bezeichnet) und das bisweilen in den Wipfelregionen. Die Behausungen werden aus Holzstangen und Palmwedeln gebaut; der Fußboden besteht aus Baumrinde. Die Wohnstätten sind vollständig ohne Seile und Nägel errichtet. Nur Lianen halten die Bauwerke zusammen. Wegen ihrer Größe werden sie mit langen Holzpfosten abgestützt. Der einzige Zugang zum Haus führt über einen senkrechten mit Kerben versehenen (einziehbaren) Pfahl, bei hoch gelegenen Baumhäusern über einen leiterartigen Gawil. In die Kerben passen lediglich die Fußspitzen. Das Baumhaus schützt vor Angriffen feindlicher Clans, wilden Tieren, Krankheiten und Überschwemmungen. Die um das Baumhaus gerodete Lichtung gewährt zusätzlichen Schutz, da herannahende Feinde schnell bemerkt werden. Kriegs- oder Friedenssituationen erkennt man an der Höhe des Bauwerks über dem Boden. Gewöhnlicherweise wird in Friedenszeiten zwischen 10 und 25 Metern Höhe gebaut, in turbulenten Zeiten wird bis zu 50 Meter hoch gebaut.

Ein typisches Korowai-Haus umfasst drei Räume, zwei Feuerstellen und zwei Veranden. Neben den Ruheplätzen befinden sich auch noch Hab und Gut und eine Feuerstelle unter dem schützenden sagopalmenen Dach. Die Feuerstelle ist über einem Loch im Hüttenboden mit Rattan festgebunden und besteht aus Ästen, die mit Blättern und Lehm ausgefüllt sind. Sie stellt den zentralen Platz auf der Plattform des Baumhauses dar. Bei Brand und Brandgefahr durch die Kochstelle, werden die Rattanschnüre gekappt, sodass die Feuerstelle durch das Loch auf den Waldgrund fällt. Alle drei bis fünf Jahre muss ein neues Baumhaus gebaut werden, da dieses im feuchten Tropenklima schnell fault und/oder von Insekten zerfressen wird.

Die höchste Konzentration von Baumhäusern findet sich entlang der Uferlinien der bedeutendsten Flüsse im Innern des Siedlungsgebietes des Stammes, so der Flüsse Afiüm, Walop, Mabül, Nelaf und Fukh. Bevorzugt werden hohe Uferkanten bewohnt.

Sprache Die Sprache der Korowai wird als Trans-New Guinea klassifiziert. Die Sprachfamilie bezeichnet sich als Ok-Awyu, Awyu-Dumut (auch Awyu-Ndumut – südöstlicher Sprachraum Papuas).Korowai Daneben gibt es Dialekte.Linguistic Relationships S. 9/10 Mittlerweile beherrschen viele Korowai auch indonesisch.

Weltbild Das Weltbild der Korowai eröffnet sich aus drei konzentrischen Kreisen. Diese Welten schreiben die Korowai dem Gott „Ginol“ zu. Im Mittelpunkt befindet sich die Welt des klan-einteilenden Lebens (bolüpbolüp), der Menschen, Tiere und Pflanzen und der stets gegenwärtigen Geister. Nach außen folgen die Welten des Todes (bolüplefupé) und des endlosen Ozeans (méan-maél).Narendra S. Bisht, T. S. Bankoti, Encyclopaedia of the South East Asian Ethnography In der Vorstellung des Weltuntergangs stürzen die Welten des Lebens und des Todes ins große Wasser. Dort lebt der Fisch „Ndewe“. Dieser verschlingt alles Leben aus Menschheit und Tierwelt. Zu diesem Weltverständnis gehört, dass die Korowai glauben, es gäbe keinen natürlichen Tod. Stets ist stattdessen Hexerei (Khakhua) im Spiel, selbst wenn jemand an einer Krankheit stirbt.

In der Neuzeit warnen die „Alten“ ihre „Nachkömmlinge“ vor eindringenden fremden Zivilisationen, die Unheil bringen.

Kannibalismus