Holzheim ist ein Ortsteil der Stadt Pohlheim im mittelhessischen Landkreis Gießen.
Geografische Lage Holzheim liegt am Obergermanischen Limes am Rande der Wetterau in Mittelhessen. Im Ort treffen sich die Landesstraßen 3132 und 3133. Im Süden liegt das Gambacher Kreuz, welches die Bundesautobahn 5 und die Bundesautobahn 45 miteinander verbindet.
Ortsgeschichte mini|Das Kleinkastell vom Limeswall aus gesehen Historische Namensformen Der Ortsname Holzheim durchlief im Laufe der Geschichte verschiedene historische Namensformen. Die ersten Nennungen des Ortes erfolgten im Lorscher Codex. Dieses Kopiar wurde in den Jahren zwischen 1183 und 1195 niedergeschrieben. Die heute gültige wissenschaftliche Form des Kopiars stammt Gießener Historiker Karl Glöckner. Außerdem hat die Universitätsbibliothek Heidelberg den Codex in digitaler Form herausgegeben.
790 erfolgte eine erste Schenkung an das Kloster Lorsch „in Holzheim“.Codex Laureshamensis (CL) III, Nr. 2978=3757a. Ebenfalls 790 heißt es „Holzheimer marca.“CL III, Nr. 2978=3757a. Eine erste Erwähnung der Siedlungsform villa erfolgte 792: „... in pago Weteriba in uilla Holzheim.“ (im Gau Wetterau im Dorf Holzheim).CL III, Nr. 3772=3759e 805 lautet der Eintrag: „in Leizgestre marca et in Holzeim.“ (In der Mark Leihgestern und in Holzheim).CL III, Nr. 3724c. Insgesamt erhielt das Kloster Lorsch zwölf Schenkungen in der Gemarkung Holzheim bis 825. 1287 wurde erstmals zwischen „minori et maiori Holzheim“ (Klein- und Groß-Holzheim) unterschieden.Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. (AUB). Darmstadt 1851. Nr. 218, S. 148. 1357 lautet der Eintrag in einer Urkunde „fon Gambach zhu Hulzheim“AUB, Nr. 678, S. 430. und 1358 tritt ein „Johan von Hultzhem“ urkundlich in Erscheinung.AUB, Nr. 861, S. 525.
Der Ortsname wird in der Namensforschung als „Siedlung am (Nieder-)Wald“ erklärt, ausgehend vom ahd. Wort „holz“, das einen ungepflegten Wald beschreibt.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 185 f, S. 186. Mittelalter Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Dorf am 24. Mai 790 im Lorscher Codex. 793 wurde eine Eigenkirche von Anstrat und Ozilo an das Kloster Lorsch mit Reliquien und Kirchenschatz geschenkt. Die Kirche in Holzheim war ebenso wie die Lorscher Kirche dem Heiligen Nazarius geweiht. Vier der zwölf Traditionen (Überlieferungen) wurden von dem Priester Waltheim vorgenommen.Vgl. insgesamt: Waldemar Küther: Heimatbuch Holzheim. Gießen 1965. Der Besitz des Klosters Lorsch ging nach heutiger Auffassung vollständig an das nahe gelegene Kloster Arnsburg. Dieser Besitz bestand ursprünglich aus fünfeinhalb Mansen und dem zum Dorf gehörenden Wald. Dieser Besitz wurde 1151 durch Konrad von Hagen in „Holzheim“ für Arnsburg übertragen.Peter Acht: Mainzer Urkundenbuch. Bd. 2,1 (1137 – 1175). Darmstadt 1968. Nr. 159. Nach weiteren Schenkungen und dem Erwerb von Gütern wurde von Arnsburg eine Grangie in Holzheim errichtet, welche in manchen Urkunden als Groß-Holzheim erwähnt wird. Dies geschah, um den Ort von der späteren Wüstung Klein-Holzheim zu unterscheiden.Andreas Kuczera: Grangie und Grundherrschaft. Zur Wirtschaftsverfassung des Klosters Arnsburg zwischen Eigenwirtschaft und Rentengrundherrschaft 1174–1400. Dissertation. Darmstadt und Marburg 2003. Hrsg.: Hessische Historische Kommission Darmstadt und Historische Kommission für Hessen. = Quellen und Forschungen zur hessischen Geschichte 129. S. 136–141, S. 136.
Neuzeit Zwischen 1631 und 1633 wurde die Evangelisch-reformierte Kirche erbaut. 1952 kam die neue Schule hinzu, 1960 die neue katholische Kirche St. Matthäus.
Ab dem 17. Jahrhundert bis in die 1930er Jahre bestand im Ort eine jüdische Gemeinde mit eigener Synagoge. Im Jahre 1939 gehörte der Ort zum Landkreis Gießen und hatte 1176 Einwohner.
Die Gemeinde Pohlheim wurde am 31. Dezember 1970 im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch freiwilligen Zusammenschluss der Gemeinden Dorf-Güll, Garbenteich, Grüningen, Hausen, Holzheim und Watzenborn-Steinberg gegründet. Für Holzheim wurde, wie für die übrigen ehemaligen Gemeinden von Pohlheim, ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Im Jahr 2010 beging der Ort seine 12xx-Jahr-Feier. Dies steht für die 1220-Jahr-Feier, mit welcher der ausgefallene 1200. Geburtstag nachgefeiert wurde.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Holzheim angehört(e):
790: Fränkisches Reich, Wetter(gau) 1210 und später: Gericht Grüningen1333 wird allerdings ein Holzheimer Zentgraf genannt. ab 1478: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Braunfels, Amt Butzbach ab 1627: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Braunfels, Amt Gambach ab 1742: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Solms-Braunfels, Amt Gambach ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Oberhessen, Amt Gambach (des Fürstentums Solms-Braunfels) ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Gambach (des Fürsten Solms-Braunfels) ab 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt GambachPatrimonialgericht: Standesherrliches Amt Wölfersheim des Fürsten Solms-Braunfels- ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk HungenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Hungen; 1822 gingen die Rechte des „standesherrlichen Amts Wölfersheim“ an das Landgericht über, wo sie im Namen der Standesherren ausgeübt wurden) und Verwaltung. ab 1841: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Hungen ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1867: Norddeutscher Bund, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Gießen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1971: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Pohlheim ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt Pohlheim ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Pohlheim ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Stadt Pohlheim
Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Holzheim ab 1806 das „Patrimonialgericht der Fürsten Solms-Braunfels“ in Gambach und später Wölfersheim zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die zweite Instanz für die Patrimonialgerichte waren die standesherrlichen Justizkanzleien. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.
Mit der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurde diese Funktion beibehalten, während die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übergingen. Ab 1822 ließen die Fürsten Solms-Braunfels ihre Rechte am Gericht durch das Großherzogtum Hessen in ihrem Namen ausüben. „Landgericht Hungen“ war daher die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht das für Holzheim zuständig war. Auch auf sein Recht auf die zweite Instanz, die durch die Justizkanzlei in Hungen ausgeübt wurde verzichtete der Fürst 1823. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben. Durch die Neuordnung der Gerichtsbezirke in der Provinz Oberhessen mit Wirkung vom 15. Oktober 1853Bekanntmachung vom 4. Oktober 1853,1) die Aufhebung der Großherzoglichen Landgerichte Großkarben und Rödelheim, und die Errichtung neuer Landgerichte zu Vilbel und Altenstadt, ferner die Verlegung des Landgerichtssitzes von Altenschlirf nach Herbstein;2) die künftige Zusammensetzung der Landgerichts-Bezirke in der Provinz Oberhessen betreffend. (Hess. Reg.Bl. S. 640–641) kam Holzheim zum Landgericht Lich.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglich hessischen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Lich“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Gleichzeitig wurde Holzheim dem Amtsgericht Butzbach zugewiesen. 2004 wurde das Amtsgericht Butzbach aufgelöst und dessen Bereich dem Amtsgericht Friedberg zugeschlagen. Die übergeordneten Instanzen sind jetzt das Landgericht Gießen, das Oberlandesgericht Frankfurt am Main sowie der Bundesgerichtshof als letzte Instanz.
Bevölkerung Einwohnerentwicklung
Historische Religionszugehörigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1830: 965 evangelische, 1 römisch-katholischer, 27 jüdische Einwohner • 1961: 1318 evangelische, 326 römisch-katholische Einwohner
Historische Erwerbstätigkeit Quelle: Historisches Ortslexikon • 1961: Erwerbspersonen: 300 Land- und Forstwirtschaft, 364 Prod. Gewerbe, 93 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 80 Dienstleistungen und Sonstiges.
Wappen „In goldenem Schild eine auf blauem Schildfuß wachsende blaue Linde, beseitet von zwei roten Rosen mit weißen Knospen und grünen Blättern“. Das Wappen wurde entwickelt aus dem alten Gerichtssiegel Holzheims vom Jahre 1747. Die Linde erinnert an den alten Gerichtssitz Holzheim. Gold und Blau sind die Solmser Farben, und die roten Rosen gehören zu den Wappenzeichen des Hauses Solms-Wildenfels.
Sehenswürdigkeiten Kleinkastell Holzheimer Unterwald Evangelisch-reformierte Kirche Holzheim
Infrastruktur Im Ort gibt es ein Dorfgemeinschaftshaus, eine Sporthalle, ein Freibad, einen Lebensmittelladen, einen Bäcker, zwei Friseure, eine Gaststätte und einen Kindergarten. Regenbogenschule ist der Name der örtlichen Grundschule.
Literatur Waldemar Küther (Bearb.): Heimatbuch Holzheim. Hrsg. Gemeinde Holzheim 1965
Weblinks
Geschichte der Ortsteile. In: Webauftritt der Stadt Pohlheim.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Gießen Kategorie:Geographie (Pohlheim) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Gießen) Kategorie:Ersterwähnung 790 Kategorie:Gemeindeauflösung 1970