Die Persian Gulf Residency, nach ihrem Sitz auch Bushire Residency genannt, war der Dreh- und Angelpunkt der indirekten britischen Herrschaft in der Region. Sie bestand von 1822 bis 1971. Im Gegensatz zu Indien verzichtete man vor ca. 1890 auf direkte koloniale Besitznahme der Gebiete. Seinen Sitz hatte der Resident (PRPG; Balyuz al-Khalij) bis 1946 auf Bushir, danach bis 1971 in Bahrain. Von wirtschaftlicher Bedeutung war die Region zunächst durch ihre Naturschwämme und Perlenfischerei. Die beiden 1865–69 verlegten Telegraphenkabel ermöglichten den direkten Kontakt zwischen dem Mutterland und Indien. Die Eröffnung des Suez-Kanals im selben Jahr erhöhte ebenfalls die strategische Bedeutung des Persischen Golfs. Das Handelsvolumen, abgesehen von den Häfen von Basra und Muskat, blieb bis 1930 vergleichsweise gering. Nach 1924 begann die Ölgewinnung an Bedeutung zu gewinnen.
Geschichte Das wirtschaftliche Interesse der East India Company beschränkte sich zunächst auf die persische Nordseite des Golfs, wo 1619 in Dschask eine erste Persia Agency gegründet wurde. Sie wurde, nach Vertreibung der Portugiesen von der Insel Hormus 1622, in das ehemalige Gombroon und nun umbenannte Bandar Abbas verlegt. Der Hafen blieb Hauptquartier bis zur Zerstörung durch die Franzosen 1759. Es unterstanden die Faktoreien von Schiraz (gegr. 1617), Isfahan (1617), Basra (1635–57, erneut ab 1723), Bandar Rig (nur 1755–6) und Bushir (1763).Beachte: Die Rangfolge der Titel Resident (= Faktor) und Agent, kehrte sich bis Ende des 18. Jahrhunderts um. Onley (2007), S. 13 Broker agierten in Kermānschāh (1720er) und Muskat (ca. 1758). Seine Anweisungen erhielt der Resident vom Gouverneur der Presidency in Bombay. Die Verwaltungseinheit hieß nach dem neuen Hauptsitz Basrah Agency von 1763 bis 1778, danach bis 1822 Bushire Agency, der in diesem Jahr noch der Bereich der Lower Gulf Agency (1811–22; Qatif und Bahrain) zugeschlagen wurde, die auch das Gebiet der vormaligen Muscat Agency (ca. 1758-1810) mit umfasste. Zwischen 1797 und 1819 wurde es nötig, zum Schutz der Händler, mehrere bewaffnete Marineexpeditionen gegen die Pirate Coastdie heutigen Vereinigten Arabischen Emirate zu entsenden. Strategische Interessen wurden berührt, als Fath Ali Schah 1807 mit Napoleon die Franko-Persische Allianz schloss. 1809, nach dem Ende dieser Allianz, nahm auch der politische Einfluss der Briten in der Region wieder zu. 1822, als der Gültigkeitsbereich der Regulating Act von 1773Verbot des privaten Handels von Verwaltungspersonal der Ostindischen Kompanie. auf den Persischen Golf ausgeweitet wurde, ist das eigentliche Gründungsjahr der Persian Gulf Residency als politisches Instrument, bis 1878ab 1. Januar wurde Victoria zugleich „Kaiserin von Indien“ das Generalkonsulat Fars geschaffen wurde. Der erste Resident cum Konsul wurde John MacLeod.
Viktorianische Ära bis Erster Weltkrieg Im Gegensatz zu Indien verzichteten die Briten lange auf formale Protektoratsverträge, nachdem 1820 die Verträge mit den Herrschern von Bahrain, der Piratenküste (nach 1853 „befriedeter Oman“) und Muskat abgeschlossen waren.Bahrain: Verbot der Piraterie und Schutz vor Plünderung von Handelsschiffen, 5. Feb. 1820, General Treaty, 23. Februar 1820. An der Piratenküste mehrere Abkommen 1820 (jährlich verlängerte Friedensabkommen, ab 1853 permanent). Muskat: 3 Verträge 1822. Aitchison (1933), S 233, 240f., 248, 288 Diese wurden erst ab den 1880er Jahren häufiger, als die Briten in Furcht vor dem russischen Vordringen nach SüdenRussland besetzte 1868 Samarkand, 1873 Chiwa, 1884 Merw. zeigten. Diese Phase kam mit der Vertrag von Sankt Petersburg (1907) zu Ende als die Mächte Afghanistan und Persien, ohne Befragung der Betroffenen, als „unabhängige“ Pufferstaaten neutralisierten.
Insofern mit den einzelnen Herrschern Verträge abgeschlossen wurdenVerzeichnis der Abkommen: Aitchison, C. U. (Hrsg.); A Collection of Treaties, Engagements and Sanads ... Vol. XI Containing the Treaties &ct. Relating To Aden and the South Western Coast of Arabia, the Arab Principalities in the Persian Gulf … Revised and updated to 1930 ...; Delhi 1933, reprint 1987, ISBN 1-85207-076-5 so zielten sie zuerst (bis 1853) auf ein Verbot der Sklavenjagd, Piraterie und Schutz gestrandeter Schiffe ab. Danach wurde auf eine Abschaffung des Sklavenhandels gedrängt, gleichzeitig mischte man sich in Nachfolgestreitigkeiten ein. Ab den 1880er Jahren wurden Abkommen häufiger, die Zolltarife festschrieben, Waffenimport und -export verboten und den Herrschern vorschrieben, ihre Außenbeziehungen (was sehr weitgehend definiert wurde) nur von den Briten wahrnehmen zu lassen. Britische (weiße) Staatsangehörige unterstanden der strafrechtlichen Exterritorialität. Zur Jahrhundertwende begann man, den Briten Monopole auf Post- und Telegraphendienste einzuräumen. Nach dem Ersten Weltkrieg, als der Irak britisches Völkerbundsmandat geworden war, wurde die Kontrolle der regionalen Ölvorkommen von größter Bedeutung. Einigen der Herrscher der Schutzstaaten des Trucical Oman wurde ab den 1880ern das Recht auf Salutschüsse, analog den indischen Fürstenstaaten, zugestanden. Oman stand zwar seit dem Vertrag von 1809 unter teilweisen britischen Protektorat und – nachdem man ihm 1890 seinen wertvollsten Landesteil, die Insel Sansibar, abgenommen hatte – es war aber seit etwa 1900 vollkommen von diesen abhängig, in der Sprache der Diplomaten wurde nur behauptet, dass man eine „spezielle vertragliche Beziehung“ habe, der Sultan aber ein unabhängiger Herrscher sei.
Das osmanische Reich weitete in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts seinen Einfluss über die Stämme auf der arabischen Halbinsel aus. 1871-2 wurden Hasa und Katar (bis 1916) besetzt. Die Stämme im Inland unterwarfen sich, britischerseits verhielt man sich besonders im lang anhaltenden Kampf der Clans der Bin Rashid und Bin Saud zurückhaltend.
Nach 1892 durften Schiffe der Scheichtümer auf der arabischen Halbinsel die britische Flagge führen. Ihre Bürger galten außerhalb ihrer Heimat zwar nicht als britische Untertanen (subjects), waren diesen als protected persons oder dependents annähernd gleichgestellt.
Lord Curzon bereiste die Region 1889–90Curzon, George; Persia and the Persian Question; London 1892, 2 Bde., reprint 2001: ISBN 978-1402161797 und erneut als indischer Vizekönig 1903. Zwischen 1907 und 1910 gelangten mindestens 30.000 Martini-Henry-Gewehre, von denen 90.000 von deutschen und französischen Waffenhändlern aus australischen und neuseeländischen Beständen aufgekauft worden waren, über den persischen Golf nach Kandahar und von dort in die afghanische Grenzregion. Eine Seeblockade unterband ab 1911 diesen für die Briten bedrohlichen Waffenschmuggel.Herbert, Edwin; Small Wars and Skirmishes 1902-18; Nottingham 2003; ISBN 1-901543-05-6, S. 99.vgl. R. M. Burrell; Arms and Afghans in Makrān: An Episode in Anglo-Persian Relations 1905-1912; Bull. SOAS, Vol. 49, No. 1, In Honour of Ann K. S. Lambton (1986), S. 8–24.
Erster Weltkrieg Ab Ende 1914 begann im gebirgigen Hinterland von Bushir die vom deutschen ehemaligen Konsul Wilhelm Wassmuss inspirierte Aufstandsbewegung einheimischer Stämme gegen die in Persien einmarschierten britischen Truppen. Bis 1917 kontrollierten sie einen großen Teil des südwestlichen Persien. Von britischer Seite rekrutierte man die South Persian Rifles als – nicht übermäßig verlässliche – Hilfstruppe. Die Kämpfe gaben den Anlass zum Bau von modernen Straßen von Bushir ins Landesinnere, auch wurde eine Schmalspurbahn eingerichtet.
Der Kommandeur der Expeditionstruppe zur Eroberung von Mesopotamien Percy Zachariah Cox fungierte gleichzeitig als Resident, delegierte diese Funktion jedoch. Katar wurde 1916 offiziell britisches Protektorat. Als Ibn Saud sich im Ersten Weltkrieg weigerte, dem osmanischen Sultan Unterstützung zu gewähren, verbündeten sich die Briten mit ihm. Das nach einem Treffen mit Cox geschlossene AbkommenAitchison (1933), S. 206. führte zu einem unabhängigen Staat. Durch eine geschickte Kombination aus Waffengewalt und Diplomatie gelang es den Saudis, Angehörige der puritanischen Wahhabiten-Sekte des Islam, ihre Macht im nächsten Jahrzehnt auszuweiten. Die endgültige Form des als Saudi-Arabien bekannten Staates ist im Vertrag von Jeddah 1927 festgeschrieben. Grenzfragen in Wüstengebieten wurden jedoch erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geklärt.
Ab 1920 mini|Invasion 1941 Die Entdeckung von ErdölBahrain: 1932, Kuwait: 1938, Katar: 1940, Abu Dhabi: 1958. Bereits 1924/5 gab es eine erste Konzession in der Region um Basra. Onley (2007), S. 34. erhöhte die strategische Bedeutung der Region. Ebenso waren die Flughäfen für den von Imperial Airways (später BOAC) 1932 nach Indien eingerichteten Passagierdienst wichtig.
Am 25. August 1941 überfielen britische und sowjetische Truppen den Iran und hielten diesen bis 1946 besetzt. Vom 28. November bis zum 1. Dezember 1943 fand die Teheran-Konferenz der Alliierten statt.
Nach 1947 In der Dhofar-Region des Oman bekämpften britische und iranische Truppen die seit 1963 aktive Dhofar Liberation Front (nach Fusion und Umbenennung ab 1968: Popular Front for the Liberation of the Occupied Arabian Gulf (PFLOAG), arab. al-Jabha al-Sha'abiya li-Tahrir al-Khalij al-'Arabi al-Muhtall, ab 1974: Popular Front for the Liberation of Oman (PFLO)). Die Rebellion wurde im Januar 1976 für beendet erklärt, obwohl es bis 1979 vereinzelt Zwischenfälle gab. Bereits 1970 hatte Sultan Qabus ibn Said mit Billigung und Unterstützung der Briten seinen Vater Said ibn Taimur gestürzt.
Organisation Das gesamte leitende Personal, bis 1860 zwei, später nie mehr als 7-9 Personen, rekrutierte sich bis 1947 aus dem Foreign Department des Indian Civil Service (ICS), dessen diplomatischer Dienst seit 1937 offiziell Indian Political Service (IPS) hieß. Der Posten,Listen der Amtsinhaber in Onley (2007), App. B als Residentur der 2. Klasse, war wegen seines unangenehmen Klimas unbeliebt. Mittlere Chargen, vielfach Inder, gehörten dem Unconvenated Service (UCS, ab 1892 Provincial Civil Service) oder dem regional rekrutierten darunterstehenden Subordinate Civil Service (SCS, gegr. 1892) aus Indern und Persern an. Die Ärzte (surgeon, 1901: 650 Rs. p.m.) kamen aus dem IMS, meist war je einer in Bushir, Muskat und Basidu stationiert.zu Einzelheiten des ICS vgl.: The Imperial Gazetteer of India: The Indian Empire, Vol. IV: Administrative; Oxford 1909 Der Resident war seit Einrichtung eines Generalkonsulatsbezirks Fars, zuständig für Südpersien, von 1878 bis 1946 in Personalunion immer auch Konsul. In dieser Eigenschaft repräsentierte er und berichtete, über die Legation in Teheran, an das Foreign Office in London, als Resident war er dem Government of India (GoI) verantwortlich, eine Doppelzuständigkeit, die besonders nach dem Ersten Weltkrieg des Öfteren zu Komplikationen führte. Der Resident, so er vom Militär kam, hatte im 19. Jahrhundert üblicherweise den Rang eines Obersten oder Kapitän z. S. Er bezog 1860 ein monatliches Salär von 2400 Rs., sein Assistent erhielt 500 Rs. (1900: 800), Native Agents zwischen 80 und 120 Rs. (1900: 50-200 Rs).