rahmenlos|rechts|alt=|Stammwappen derer von der Goltz Die Familie von der Goltz, deren Zweige zum Teil bis heute bestehen, gehörte zum Uradel in der Neumark. Das Geschlecht hat bedeutende Diplomaten, Staatsbeamte, Gelehrte, aber vor allem Offiziere hervorgebracht, so unter anderem fünf Feldmarschälle und 38 Generale. Von den in preußischen Diensten stehenden Angehörigen erhielten 19 den Orden Pour le Mérite. Im Jahre 1806 dienten 21 Grafen und Freiherren von der Goltz in der preußischen Armee, im Jahre 1836 waren es 26 Mitglieder der Familie.Neues Preussisches Adels-Lexicon. Band 2, Gebrüder Reichenbach, Leipzig 1836, S. 261–265.

Geschichte Herkunft Nach einer Familiensage soll das Geschlecht von den Grafen von Dienheim, die ursprünglich im Rheinland saßen, abstammen. Andreas Graf von Dienheim wurde demnach Anfang des 12. Jahrhunderts oberster Kriegsherr des polnischen Königs Boleslaw III. Durch Heirat mit der Erbtochter des vermögenden Landrichters zu Gostyn, Johann Prawda, kam er in den Besitz der Herrschaft Golczewo.Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Band 3, Friedrich Voigt, Leipzig 1861, S. 593–596.

Erstmals urkundlich erwähnt wird die Familie am 8. März 1297 mit Arnoldus de Goltzen.Staatsarchiv Berlin bzw. Adolph Friedrich Johann Riedel: Codex diplomaticus Brandenburgensis.; 1. Hauptteil, Band 18, G. Reimer, Berlin 1859, S. 215. Er begründete im Auftrag der Markgrafen von Brandenburg die Stadt Dramburg in der Neumark. Wahrscheinlich kam das Geschlecht aus der Uckermark und gelangte im Zuge der Deutschen Ostsiedlung nach Ostpommern. Von dort wurden Angehörige in Verbindung mit dem Johanniterorden und dem Deutschen Orden in ganz Pommern und Ostpreußen sesshaft.

Ausbreitung und Persönlichkeiten mini|hochkant|Robert von der Goltz (1817–1869) mini|hochkant|Rüdiger von der Goltz (1837–1910) mini|hochkant|Colmar von der Goltz (1843–1916) mini|hochkant|Rüdiger von der Goltz (1865–1946) mini|hochkant|Rüdiger von der Goltz (1894–1976) Bereits 1361, nach Kneschke 1369, treten zwei Stämme auf. Nach einer Güterteilung wurden die Schwarze, auch Clausdorfsche, Linie und die Weiße oder Heinrichsdorfsche Linie begründet. Die Schwarze Linie verblieb bis zu den Teilungen Polens im Lande, die Weiße Linie wurde schon früh in Brandenburg sesshaft. Im August 1361 verlieh der Johanniter-Ordensmeister Hermann von Werberg den Brüdern Ludekin und Georg von der Goltz die Dörfer Blumenwerder, Karsbaum, Machlin, Mielkau und Brotzen als erbliches Lehen. Diese Schenkung bildete den Grundstein für den ausgedehnten Landbesitz der Familie von der Goltz.Zeitschrift des Westpreussischen Geschichtsvereins, Heft XXXIX, Commissions-Verlag Th. Bertling, Druck A. W. Kafemann, Danzig 1899, S. 13, S. 31. (PDF/Digitalisat)

In Westpreußen war die Familie, noch bevor es als Provinz an die Krone Preußens fiel, stattlich begütert. Unter anderen waren sie Starosten von Tuchel. In Pommern hatte Joachim Rüdiger Freiherr von der Goltz im 17. Jahrhundert die Güter Barsin und Barwin von den Massow, Quakenburg von den Zitzewitz, Wobeser, Trebblin und Neuendorf von den Puttkamer und Pöppel von den Brünow erworben.

Der gräfliche Stamm besaß Mitte des 19. Jahrhunderts die Häuser zu Clausdorf, Heinrichsdorf und Sortlack, wobei die beiden ersteren Häuser jeweils einen jüngeren und einen älteren Zweig besaßen. Die beiden Zweige zu Clausdorf wurden Linien zu Teschendorf und zu Tlukum genannt. Die freiherrlichen Linien begründeten die Häuser zu Sortlack, Brotzen, Giesen, Curtow und Clausdorf. Das Haus Sortlack besaß die Zweige zu Leißienen, Fingatten, Domnaw, Mertensdorf und Großlaut und das Haus Clausdorf die Zweige zu Schellin, Konsbruch und Kopriewe. Die Grafen von der Goltz waren unter anderem mit den Schönauer Gütern zu Marienwerder, Czaicze, Tinkum sowie weiteren Besitzungen in Ost- und Westpreußen begütert. Die Freiherren von der Goltz besaßen Kreitzig bei Schivelbein, Kattun bei Schneidemühl, Kopriewe, Pozdanzig und Pflastermühle bei Schlochau, Tillitz bei Strasburg in Westpreußen, Mertensdorf und Sortlack in Ostpreußen und Kallen bei Fischhausen.

Nach Österreich gelangte die Familie mit Günther von der Goltz, der 1598 Maria Salome von und zu Polheim heiratete. Er wurde kaiserlicher kommandierender General der Kavallerie und fungierte als Statthalter von Böhmen und Mähren. Seine hervorragenden Dienste sollten mit dem Titel eines Reichsfürsten belohnt werden, den er jedoch ablehnte. Am 3. Februar 1613 heiratete er in zweiter Ehe Katharina Freiin von Landau auf Sitzendorf.Zeitschrift des Deutschen Vereines für die Geschichte Mährens und Schlesiens, Band 19, Verlag des Vereines, Brünn 1915, S. 72 Im Juli 1614 nahm er als mährischer Abgesandter am ersten österreichischen Reichstag in Linz teil.Christian d’Elvert: Beiträge zur Geschichte der böhmischen Länder, insbesondere Mährens im siebzehnten Jahrhunderte. Winiker, Band 23, Brünn 1878, S. 86. Günther erwarb Ende des 16. Jahrhunderts den heutigen Goltz-Palast im mährischen Znaim, wo er am 11. Februar 1615 verstarb und in der Sankt Michaelskirche begraben wurde.Zeitschrift des Deutschen Vereines für die Geschichte Mährens und Schlesiens, Band 20, Verlag des Vereines, Brünn 1916, S. 223 Sein Bruder Reinhard von der Goltz war kaiserlicher Oberst, heiratete am 19. Oktober 1615 in Znaim Leonora von Puchheim und erwarb am 12. Juni 1618 das Gut Starrein in Niederösterreich.Zeitschrift des Deutschen Vereines für die Geschichte Mährens und Schlesiens, Band 19, Verlag des Vereines, Brünn 1915, S. 74Otto Freiherr Stockhorner von Starein: Die Stockhorner von Starein. Versuch der Darstellung der Geschichte dieses Geschlechtes, Carl Konegen, Wien 1896, S. 66. Joachim Ferdinand von der Goltz war kaiserlicher Hofkammerrat in Prag und starb 1678 in Wien. Er wurde in der großen Kirchengruft der Wiener Augustinerkirche bestattet. Aus einem anderen Zweig der Familie kam der im Dreißigjährigen Krieg bekannt gewordene kaiserliche Generalfeldzeugmeister Martin Maximilian von der Goltz, nach dem die tschechische Stadt Golčův Jeníkov benannt wurde. Ein Urgroßneffe Günthers, Johann Ernst Wenzel Graf von der Goltz ließ von 1755 bis 1765 das Palais Goltz-Kinsky auf dem Altstädter Ring in Prag errichten. Mit dem Tod von Ernst Ignatz Johann Nepomuk Graf von der Goltz erlosch die katholische Linie am Ende des 18. Jahrhunderts.

Joachim Rüdiger Freiherr von der Goltz (* 1620) aus dem Haus Clausdorf stand zunächst in königlich französischen Diensten. Im Jahre 1654 trat er als Oberst in kurbrandenburgische Dienste, in denen er zur Würde eines Generals der Infanterie gelangte und Regimentschef war. 1661 wurde er Gouverneur von Berlin. 1665 trat er in königlich dänische Dienste und 1680 in die des Kurfürsten Johann Georg von Sachsen, der ihn zum Generalfeldmarschall und wirklichen Geheimen Kriegsrat ernannte. 1683, beim Entsatz von Wien gegen die Türken, kommandierte er die kursächsischen Truppen. Er war nur kurze Zeit mit einer Witwe von Canitz, geborene von Burgsdorff, der Mutter des bedeutenden Dichters Friedrich Rudolph Ludwig von Canitz, verheiratet und starb 1688 ohne Nachkommenschaft. Nach ihm wurde die Goltzstraße in Wien benannt.

Sein Vetter Heinrich Freiherr von der Goltz studierte bei den Jesuiten und diente später bei den Franzosen und Holländern. König Friedrich I. nahm ihn als Generalmajor in seine Dienste, überließ ihm aber schon kurze Zeit später den Posten eines Kommandanten der freien Stadt Danzig. Er wurde polnischer Generalleutnant, doch schon wenige Monate später trat er als Feldmarschallleutnant in das Heer des russischen Zaren Peter I. ein. Er kämpfte gegen die Schweden in der Schlacht bei Mogiljow und wurde Gesandter in Konstantinopel. 1725 starb er auf seinen Gut Clausdorf in Ostpreußen.

Christoph Heinrich von der Goltz († 1739) war preußischer Generalleutnant, Chef eines Regiments zu Fuß, Kommandant zu Magdeburg, Drost zu Rheinsberg und Ritter des Schwarzen Adlerordens. Er besaß bedeutende Güter, die aber, da er keine Kinder aus seiner Ehe mit Elisabeth Juliane von Bonin hinterließ, als eröffnete Lehn an die Krone zurückfielen.

Georg Konrad von der Goltz wurde preußischer Generalmajor, Chef des Regiments Gensdarmes, Generalkriegskommissar, Amtshauptmann zu Cottbus, Peitz und Aschersleben, Ritter des Johanniter- und des Ordens Pour le Mérite und designierter Komtur auf Lagow. Er starb am 4. August 1747 zu Berlin. Er hatte großen Anteil an der erfolgreichen Besetzung von Glogau in der Schlacht vom 8. bis 9. März 1741 während des Ersten Schlesischen Kriegs, was ihm die besondere Gnade Friedrichs des Großen verschaffte.

Im Staatsdienst zeichnete sich August Graf von der Goltz aus. Er war preußischer Außenminister und wurde auch mit Gesandtschaften an mehreren Höfen sowie am Deutschen Bundestag betraut. Im Juli 1807 unterzeichnete er gemeinsam mit Feldmarschall Graf Kalckreuth den Tilsiter Friedensvertrag. Er starb am 17. Januar 1832 als preußischer Oberhofmarschall in Berlin.

Bedeutende Angehörige der Familie aus jüngerer Zeit waren unter anderem der Theologe Hermann von der Goltz (1835–1906), der seit 1892 geistlicher Vizepräsident des Evangelischen Oberkirchenrates und damit ranghöchster Geistlicher der Evangelischen Landeskirche der älteren Provinzen Preußens war, der Agrarwissenschaftler Theodor von der Goltz (1836–1905) sowie der preußische Generalfeldmarschall und Militärhistoriker Colmar von der Goltz (1843–1916). Er war von 1883 bis 1895 Leiter des türkischen Militärbildungswesens und wurde 1914 mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges zum Generalgouverneur von Belgien ernannt. Auf eigenen Wunsch kehrte er noch im gleichen Jahr in die Türkei zurück und übernahm die Führung der 6. Armee; er starb 1916 in seinem Hauptquartier in Bagdad. Ihm zu Ehren wurde das 1912 vom Jungdeutschland-Bund in Hameln errichtete Goltzhaus und die Goltzstraße in Berlin-Spandau benannt.

Mit Rathstock bei Fürstenwalde konnte im 20. Jahrhundert durch Heirat Curt (Curd) Freiherr von der Goltz (1885–1972) noch ein Rittergut in der Nähe von Berlin erwerben und dieses bis 1945 verwalten.

Am 1. Dezember 1890 wurde in Potsdam ein Familienverband gegründet, der alle zwei Jahre Familientage abhält.

Standeserhebungen Im Laufe der Zeit sind an die verschiedenen Linien und Häuser der Familie von der Goltz zahlreiche Standeserhebungen gekommen. Die älteste stammt aus dem Jahre 1634, die letzte erfolgte 1913.

Linie Brotzen Der Begründer des Hauses Jenikau, der kaiserliche Oberst und Kommandant zu Regensburg Martin Maximilian von der Goltz, erhielt am 15. September 1634 zu Ebersdorf den Reichsfreiherrenstand.Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon, Band IV, Band 67 der Gesamtreihe GHdA, Limburg an der Lahn 1978, S. 189–195, ISBN 3-7980-0767-5.

Aus dem Haus Kreitzig erhielten am 18. März 1912 durch Allerhöchste Kabinettsorder bzw. am 5. November 1913 zu Berlin durch Heroldsamtsreskript die Nachkommen des 1910 verstorbenen Dr. jur. Rüdiger von der Goltz auf Kreitzig, Landesdirektor außer Dienst, eine preußische Genehmigung zur Führung des Freiherrentitels.

Linie Heinrichsdorf Joachim Rüdiger von der Goltz, königlich französischer Oberst, erhielt im August 1653 zu Paris das französische Baronat, ebenso die Nachkommen seines Großvaters Johann von der Goltz auf Reppow, Heinrichsdorf und Clausdorf, königlich polnischer Burggraf zu Deutsch Krone.